125 Jahre Evangelischer Bund

- Die Präsidentin des Evangelischen Bundes, Gury Schneider-Ludorff, die Predigerin des Abschlussgottesdienstes, Margot Käßmann, und Wilhelm Richebächer von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck verabschieden die über 800 Besucher/innen des Abschlussgottesdienstes vor der Kasseler Martinskirche.
125 Jahre Evangelischer Bund
103. Generalversammlung in Hofgeismar
Der Papst hätte durchaus die Chance gehabt, das 125-jährige Jubiläum des Evangelischen Bundes zu würdigen, als er vor zwei Wochen Deutschland besuchte. Denn in Erfurt, wo er sich mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland traf, wurde am 5. Oktober 1886 der „Evangelische Bund zur Wahrung deutsch-protestantischer Interessen“ gegründet. Darauf wies Bischof Martin Hein am Donnerstagabend in Hofgeismar hin. Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck predigte zur Eröffnung der 103. Generalversammlung des Evangelischen Bundes.
Die
Präsidentin des Evangelischen Bundes, Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff, zum Jubiläum:
„Als der Evangelische Bund am 5. Oktober 1886, also gestern vor genau 125 Jahren gegründet wurde, war an eine Ökumene im heutigen Sinne noch nicht zu denken – schon gar nicht beim ‚Evangelischen Bund zur Wahrung deutsch-protestantischer Interessen’. Dessen erste Aktivitäten, von katholischer Seite als ‚Der Krach aus Wittenberg’ apostrophiert, wurden vor 25 Jahren bereits ausführlich wissenschaftlich untersucht und gewürdigt – ‚evangelisch und ökumenisch’ ist nicht nur der Titel des Jubiläumsbandes, sondern auch das Leitwort unseres Evangelischen Bundes.
Das 125. Jubiläum feiern wir deutlich kleiner, es ist ja auch ein ‚unrundes’. Es trifft den Evangelischen Bund in einer guten Phase der Konsolidierung, der aktiven und anerkannten Arbeit. In einer Zeit, in der der Evangelische Bund unaufgeregt und qualitativ seinen Dienst als ‚Konfessionskundliches und Ökumenisches Arbeitswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland’ tut.“
Der
Generalsekretär des Evangelischen Bundes, Pfr. Dr. Walter Fleischmann-Bisten:
„Seit 125 Jahren besteht nun der Evangelische Bund. Seine Geschichte ist viel früher als die anderer Werke und Verbände aufgearbeitet worden. Auch für diesen 1913 mehr als eine halbe Million Mitglieder umfassenden Verein wurde das Ende des landesherrlichen Kirchenregiments 1918/1919, das Ende eines vierhundert Jahre alten Geflechtes von Thron und Altar zur Katastrophe, auf die man schlecht vorbereitet war. Republik und Demokratie wurden abgelehnt, mehr und mehr wurde das Prinzip der parteipolitischen Neutralität verlassen und man geriet in allzu deutsch-nationales und schließlich braunes Fahrwasser. Ausgerechnet von der nationalsozialistischen Bewegung erhoffte man sich die freilich dringend nötige Hilfe gegen den wachsenden Einfluss der Gottlosenpropaganda und der Entkirchlichung des Protestantismus. Die Vereinszahlen halbierten und drittelten sich in wenigen Jahren und fast wäre der Verein in der ersten Phase des deutschen Kirchenkampfes auseinandergebrochen. Im Zusammenhang seines 100-jährigen Bestehens hat sich der Evangelische Bund nicht nur schonungslos seiner Geschichte gestellt, sondern auch deutlich gemacht: Mit der Gründung des Konfessionskundlichen Instituts 1947 in Bensheim begann sich eine neue Ära zu entwickeln. Diese schlug sich nicht nur in neuen und geachteten Publikationen wie dem Materialdienst, den Bensheimer Heften und der Buchreihe ,Kirche und Konfession’ nieder. Augenfällig war der endgültig neue Kurs in den evangelischen Leitsätzen für das ökumenische Gespräch unter der Überschrift ,Evangelisch und Ökumenisch’ spürbar und wurde von hochrangigen Vertretern aller Kirchen anerkannt. Spätestens seit den wichtigen Beobachtungs- und Kommentierungsaufgaben des Konfessionskundlichen Instituts zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils und danach war der Evangelische Bund aus der evangelischen Landschaft Deutschlands nicht mehr wegzudenken. Heute ist der Evangelische Bund ein verlässlicher Partner in der Ökumene in einem europaweiten Netzwerk und ein unverzichtbarer Dienstleister für die ökumenische Arbeit der Landeskirchen.“
Eine ausführliche Würdigung des Evangelischen Bundes zu seinem 125. Jubiläum bietet die Zeitschrift "
Evangelische Orientierung" (Nr. 4/2001, erscheint am 15.12.2011 - kostenfrei anzufordern unter info@ki-bensheim.de).
103. Generalversammlung in Hofgeismar: 6. bis 9. Oktober 2011
ars vivendi
Die Kunst zu Leben
Die Kunst zu Sterben
Die Kunst, als Christ in der Welt zu sein
Vom 6. bis 9. Oktober 2011 laden wir Sie zur 103. Generalversammlung des Evangelischen Bundes nach Hofgeismar in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ein.
Eine protestantische Sicht auf die Frage nach gelingendem Leben möchte die Präsidentin des Evangelischen Bundes, Gury Schneider-Ludorff durch die 103. Generalversammlung des Evangelischen Bundes anstoßen. Dabei ruht evangelische Lebenskunst im Hören auf die Bibel und schöpft aus der reichen christlichen Tradition, ohne sich von der Welt abzuwenden: „Klar ist, dass Lebenskunst, von der wir sprechen, im evangelischen Sinne keine Selbstbezogenheit nach sich ziehen kann, sondern von vornherein eingebunden ist in gesellschaftliche Zusammenhänge, in denen es sich leben lässt, in das sorgsame Miteinander und in die viel grundlegendere Frage, wer ich bin im Angesicht Gottes.“
Ein dichtes Programm aus Vorträgen, Bibelarbeiten, Workshops und Exkursionen und erwartet die gut 130 angemeldeten Teilnehmenden aus ganz Deutschland.
Der hessische SPD-Fraktionsvorsitzende und Synodale der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Thorsten Schäfer-Gümbel und die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Dr. Ellen Ueberschär, werden über die Frage der "ars vivendi", der Lebenskunst aus politischer und theologischer Sicht referieren. Der kurhessische Bischof Prof. Dr. Martin Hein wird die Generalversammlung eröffnen, Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann mit einer Predigt zum Abschluss in der Kasseler Karlskirche beschließen.




