Wir sind Papst!

- "Wir sind Papst!" - Eine Tasche, gefüllt mit einer Zeitschrift zum Schwerpunktthema "Vorurteile und Irrtümer über Konfessionen - als pdf hier zum Download.
Was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei.
Martin Luther
Zuerst bin ich erschrocken. Wenn die Bildzeitung so titelt, lese ich es wie andere Schlagzeilen: Nicht ernst zu nehmen, soll nur Aufmerksamkeit wecken. Als Behauptung auf einer Tasche des Evangelischen Bundes klingt der Satz frech. Zu frech für das Jahr eines Ökumenischen Kirchentages, zu frech für das fein gewobene Geflecht ökumenischer Sprachregelungen.
Martin Luther konnte so pointiert reden, dass wir heute erschrecken. Es geht ihm aber nicht um den Effekt einer Schlagzeile. Mit diesen Worten fasst Martin Luther das Evangelium zusammen: Jede Christin, jeder Christ steht Gott gleich nahe. Es gibt keine Abstufungen nach Würdigkeit, es braucht keine Mittler, weder Menschen noch Institutionen noch Heilige zwischen Gott und uns. Die Taufe macht uns zu Kindern Gottes. Alle. Und alle in gleicher Weise. Es ist das Evangelium, das so selbstbewusst macht. Aber ist Selbstbewusstsein nicht ein Hindernis, wenn es um Gemeinsamkeit und Verständigung geht, wenn wir uns in der Ökumene nicht mehr durch Abgrenzung definieren?
Ich denke: Nein! Wer sich als Kind Gottes versteht, muss nicht um jeden Preis Aufmerksamkeit gewinnen und keine Angst haben, zu kurz zu kommen. Evangelische Kirche muss nicht fürchten, in der Vielfalt von Konfessionen und Kirchen unterzugehen. Wenn wir in den Dialog einbringen, was wir vom Evangelium begriffen haben, wird Miteinander möglich. Wer seinen Glauben und auch seine Kirche schätzt, kann auf Menschen anderer Kirchen zugehen. Im Miteinander lernen wir Neues – über uns wie über andere.
„Wir sind Papst“, das heißt nicht: Wir wissen alles besser. Wir lassen uns anregen von den vielfältigen Frömmigkeitsformen anderer Konfessionen und ihrer Art, das Evangelium zu verstehen und zu leben. Wir werden uns hinterfragen lassen müssen –aber wir können die Fragen hören, Antworten suchen und, wenn nötig, unsere Antworten korrigieren. Was „evangelisch Sein“ heute bedeutet, fragt der Evangelische Bund in ökumenischer Weite. Fragt es sich und andere und gibt nicht nur die eigenen Antworten, sondern hört auch auf die anderer Kirchen.
In diesem Heft werden einige Vorurteile und Missverständnisse über andere Konfessionen vorgestellt und ausgeräumt. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich zum Gespräch anregen ließen –auch mit dem Evangelischen Bund…
Ihr Dekan Martin Ost, Vorsitzender des Evangelischen Bundes Bayern
Download der Sonderausgabe Evangelische Orientierung: Wir sind Papst ! [
hier]



