Abendmahl
12 Thesen zum konfessionskundlichen Kontext
und zu ökumenischen Konflikten
Der Papstbesuch in Deutschland im Herbst 2011 hat erneut die Erwartungen und Wünsche wie die ökumenischen Grenzen einer Abendmahlsgemeinschaft vor Augen geführt. (...) Aber nach den Berichten des Neuen Testaments kann es keine Ökumene ohne Abendmahl geben, weil Jesus Christus die ganze Christenheit an seinen Tisch ruft. Vor mehr als 30 Jahren schon hat uns der Ökumeniker Ernst Lange ins Stammbuch geschrieben: „Jesu Tisch kannte keine Zulassungsprobleme außer der Frage, ob einer sich treffen ließ von der Liebe Jesu.“ (...)
Ökumene verdient im eigentlichen Sinn des Begriffs nur dann ihre Berechtigung, wo Kirchen sich als Kirchen auf Augenhöhe, anerkennen. Daran hat leider - wie zu erwarten und befürchten war - auch die am 31. Oktober 1999 in Augsburg ratifizierte „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ nichts im Blick auf die Abendmahlsfrage geändert. Unter Aufnahme zentraler Texte des II. Vatikanischen Konzils wurde dies ein Jahr später in der Erklärung „Dominus Iesus“ von der römischen Glaubenskongregation nochmals bestätigt: Das Papstamt als das nach römischem Verständnis sichtbare Zeichen und der Papst als der Garant der kirchlichen Einheit sind zwar scheinbar nur ein internes katholisches Thema, weil dessen theologische Begründung und kirchenrechtlichen Machtbefugnisse von keiner anderen christlichen Kirche anerkannt sind. Aber doch hat diese Position Auswirkungen auf die aktuellen und ganz konkreten Fragen der Abendmahlsgemeinschaft. (.
Bis heute in der öffentlichen Diskussion ungelöst ist die Frage, ob trotz der bestehenden Vorbehalte bzw. der einseitigen Gastbereitschaft praktisch in den Gottesdiensten damit umzugehen ist. Sollten nicht alle getauften Christinnen und Christen gleich welchen Alters gastweise eingeladen werden? Wir dürfen entsprechend unseres evangelischen Sakraments- und Kirchenverständnisses nicht ängstlich danach fragen, ob wir dadurch Christen anderer Konfessionen in Gewissenskonflikte bringen, denn wir würden damit gerade engagierten römisch-katholischen Mitchristen keinen guten Dienst erweisen. (...)
Walter Fleischmann-Bisten
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