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Hans-Jochen Vogel: "Damit Ihr Hoffnung habt!"

Treffpunkt Konfessionskunde - KI|EB auf dem ÖKT [hier]

Seine ökumenische Bilanz und eine Perspektive auf den zweiten Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai 2010 in München stellt Dr. Hans-Jochen Vogel ins Zentrum seines Leitartikels im Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts 3|2010. In voller Länge hier als [pdf] und unter www.mdki.de

http://www.mdki.de/Ich bin eingeladen worden, mich im Vorfeld des Zweiten Ökumenischen Kirchentages zur Entwicklung der Ökumene, zu ihrem gegenwärtigen Stand, zu ihrer Zukunft und zu ihrer Bedeutung für unser Gemeinwesen zu äußern. Das tue ich gerne. Nicht als sachverständiger Theologe. Sondern als ein schlichter Christenmensch, der Zeit seines Lebens immer wieder mit ökumenischen Problemen konfrontiert wurde. Und das in seinem privaten Leben ebenso wie in seinen öffentlichen Funktionen. Und der hier die dabei gewonnenen Eindrücke wiedergibt.

Das ökumenische Klima hat sich völlig verändert. Nicht nur in unserer Gemeinde sind ökumenische Gottesdienste und vielfältige Arten der Kooperation selbstverständlich geworden. Bei Amtseinführungen neuer Pfarrer sind die Geistlichen der anderen Konfessionen aus der Nachbarschaft stets zugegen. Kürzlich beteiligte sich ein katholischer Geistlicher sogar an dem eigentlichen Einsetzungsakt für seinen evangelischen Kollegen. Das alles wäre in meiner Jugendzeit und auch noch vor fünfzig Jahren undenkbar gewesen. Man weiß auch gegenseitig voneinander viel mehr als früher, wenn auch wohl noch nicht genug. Und ökumenische Kirchentage, von denen nun der zweite bald in München stattfindet, hätte ich mir noch in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch kaum vorstellen können.

Es wäre interessant, auch noch auf die Ursachen einzugehen, die diese Entwicklung in Gang gesetzt und in Gang gehalten haben. Meines Erachtens spielten hier die Erfahrungen während der Jahre der NS-Gewaltherrschaft eine wichtige Rolle, in denen sich beide Kirchen Repressionen ausgesetzt sahen und Katholiken und Protestanten nicht selten gemeinsam Widerstand leisteten – so etwa im Kreisauer Kreis. Auf katholischer Seite beseitigte später das Zweite Vatikanum einige bis dahin unübersteigbare Barrieren. Die Anerkennung der Religionsfreiheit als Bestandteil der Menschenwürde steht dabei für mich im Vordergrund. Zudem verabschiedete das Konzil ein Dekret, das sich speziell mit ökumenischen Gegenständen beschäftigte.

Für Mutlosigkeit besteht deshalb aus meiner Sicht kein Anlass. Weder für die Zukunft der Ökumene noch für die Zukunft des christlichen Potentials insgesamt. Nein – wir dürfen Hoffnung haben. Und wir sollten gemeinsam diese Hoffnung stärken. Auch indem wir uns einbringen, bekennen und dann auch handeln. Der bevorstehende Zweite Ökumenische Kirchentag bietet uns dazu eine ganz besondere Gelegenheit.

Dr. Hans-Jochen Vogel, München


Zusatzinformationen / Zusatzfunktionen:

„,Einheit in versöhnter Verschiedenheit‘ ist nicht Skandal der Trennung, sondern Reichtum der Vielfalt“, so der Präsident der GEKE, Thomas Wipf, in seiner Eröffnungsansprache der 49. Jahrestagung des Evangelischen Arbeitskreises für Konfessionskunde in Europa (EAKE) in Rüdlingen (Schweiz).
"Neue Aufbrüche" in der Ökumene wurden im Vorfeld des 98. Deutschen Katholikentags prämiert - in der Jury war auch das Konfessionskundliche Institut Bensheim vertreten. Das KI präsentiert sich auf dem 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim im "Zentrum Ökumene".
Mit einem eigenen Informationsstand und an einigen Veranstaltungen ist das Konfessionskundliche Institut beim Zentrum Ökumene des Katholikentages 2012 in Mannheim beteiligt:
2013 wird das neue römisch-katholische Gesangbuch "Gotteslob" erwartet.
Reden Bibelwissenschaftler, Systematiker und Praktiker miteinander oder aneinander vorbei? Ein neues Buch der Reihe Benheimer Heft bündelt Fragen und Antworten.
500 Jahre evangelische Kirchenmusik - mit einer Studientagung in Bensheim vom 15. bis 18. März 2012 ging der Evangelische Bund in Hessen und Österreich diesem Thema nach. EInige Beiträge finden Sie in der "Evangelischen Orientierung" 1/2012.