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EAKE 43|2006 Mikolajki

EAKE 43|2006 in Mikolajki / Nikolaiken in Masuren. 

Der EAKE 43|2006 tagte zum Thema "Schuld und Versöhnung als Thema in den Kirchen Europas nach 1945" auf Einladung der Polnischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Mikolajki (Masuren).

Pressemitteilung [pdf]

Versöhnung als Aufgabe der Kirchen Europas
„Evangelischer Arbeitskreis für Konfessionskunde in Europa“ tagte in Masuren

Versöhnung ist eine originäre Aufgabe der Kirchen und die Kirchen machen in vielen Fällen die Gesellschaften Europas erst sprachfähig für Gesten der Versöhnung – allerdings ist Versöhnung ein Prozeß, dessen Dauer sich in Generationen bemisst, so das Ergebnis der 43. Jahrestagung des Evangelischen Arbeitskreises für Konfessionskunde in Europa (EAKE) vom 11. bis 15. Mai im masurischen Mikolajki (Nikolaiken). Die Delegierten aus 18 Kirchen und 7 ökumenischen Institutionen diskutierten die Frage von „Schuld und Versöhnung als Thema in den Kirchen Europas nach 1945“. Dabei gehörten auch Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK / Genf) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE / Berlin) zu den theologischen Experten aus 13 europäischen Staaten.

Der polnische Bischof Janusz Jagucki beschrieb die schwierige Lage der gastgebenden Evangelisch-Augsburgischen (Lutherischen) Kirche in Polen, die rund 80.000 Protestanten in sechs Diözesen repräsentiert und sich einer in der öffentlichen Wahrnehmung bestimmenden römisch-katholischen Kirche gegenübersieht. Dieses Zusammenleben in einer ökumenischen Dimension wird nach einer jahrhundertelangen Geschichte des Misstrauens erst möglich durch Gesten der Versöhnung. So wird am 25. Mai diesen Jahres Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner ersten Polen-Reise auch eine lutherische Kirche besuchen, so wie es sein Vorgänger auch zweimal getan hatte. Bischof Jagucki hob in seinem Vortrag besonders die Arbeit des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim hervor: „Sie leisten einen bedeutenden Beitrag zum Wissen der Kirchen in Europa voneinander.“

In seinem Hauptvortrag wies Professor Harald Schultze (Magdeburg) darauf hin, dass das Thema „Schuld und Versöhnung“ eine doppelte zeitliche Dimension „nach 1945“ und „nach 1989“ in sich trägt. Dabei stellte er in Frage, ob sich Schuld wirklich „bewältigen“ oder „aufarbeiten“ läßt. Dabei wohnt dem Versöhnungsprozess immer auch eine religiöse Bedeutung inne: „Subjekt der Versöhnung ist nicht das Volk, sondern Gott.“ Das Versöhnungshandeln Gottes, wie es den Christinnen und Christen im Kreuzestod Jesu begegnet, ist die Basis für die Bitte um Versöhnung von Menschen, Kirchen und Nationen untereinander.

In einem weiteren Referat wies der Wiener Professor Karl Schwarz vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf den langwierigen Prozess hin, der aus Anlaß des 60. Jahrestages des Kriegsendes 2005 zu einem Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirche in Österreich geführt hatte: „Die kollektive Lebenslüge, Österreich sei 1938 das erste Opfer Hilter-Deutschlands gewesen, behinderte viel zu lange eine ehrliche Auseinandersetzung mit unserer jüngsten Geschichte.“

In den ausführlichen Berichten aus den repräsentierten Ländern wurde deutlich, wie langwierig der Prozeß der Versöhnung sich darstellt. Die Kirchen können diesen Prozeß fördern, viel zu oft sind sie aber auch Beteiligte oder gar Ursache von Verwerfungen.

Die 44. Jahrestagung des EAKE wird auf Einladung der italienischen Waldenser-Kirche im April 2007 in Torre Pellice stattfinden.

Alexander Gemeinhardt
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Hintergrund
Der 1962 gegründete Evangelische Arbeitskreis für Konfessionskunde in Europa (EAKE) wird vom Evangelischen Bund in Deutschland und Österreich, dem Protestantischen Konvent der Niederlande und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE / Leuenberger Kirchengemeinschaft). Vorsitzender ist der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland (St. Pölten).

Alexander Gemeinhardt
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