EAKE 49|2012 Schaffhausen (CH)
EAKE 49|2012
Die Jahrestagung 49|2012 des EAKE fand vom 19. bis 22. April in Rüdlingen bei Zürich (Schweiz) statt.
Die Anmeldung zum EAKE geschieht über die Delegation durch Ihre Kirche oder ökumenische Institution. Wenn Sie allerdings besonderes Interesse haben, dann melden Sie sich doch direkt bei Ihrer Kirche und fragen nach der Möglichkeit, sich für den EAKE delegieren zu lassen.
Pressemitteilung EAKE 49|2012
Integration als Aufgabe der protestantischen Kirchen Europas
Arbeitskreis für Konfessionskunde zu Gast in der Schweiz
Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) lebt von einem kontinuierlichen Integrationsprozess: „,Einheit in versöhnter Verschiedenheit‘ ist nicht Skandal der Trennung, sondern Reichtum der Vielfalt“, so der Präsident der GEKE, Thomas Wipf, in seiner Eröffnungsansprache der 49. Jahrestagung des Evangelischen Arbeitskreises für Konfessionskunde in Europa (EAKE) in Rüdlingen (Schweiz). Der Schweizer Theologe Wipf beschrieb die evangelischen Kirchen Europas als „ständige reformatorische Erneuerungsbewegung“.
Die „monokonfessionalistische Parzellierung“ der deutschen kirchlichen Landschaft wurde erst im 20. Jahrhundert gebrochen – seit 2005 gilt Deutschland offiziell als „Einwanderungsland“. Nicht mehr der Umgang mit „Gastarbeitern“ steht damit im Fokus, sondern die Entwicklung einer durch Migration geprägten Gesellschaft. „Die Kirche unserer Zeit ist Kirche in einer Einwanderungsgesellschaft. Aber ist sie auch eine Einwanderungskirche?“ Mit dieser Frage befasst sich Dietmar Burkhardt in einem Forschungsprojekt in Frankfurt am Main. Kirche habe sich, so der Theologe, zu lange nur mit diakonischen Fragen der Flüchtlingsarbeit beschäftigt, ohne sich gezielt der Integration evangelischer Migranten in evangelische Gemeinden zu widmen.
Dabei begegnet Burkhardt in seinem Forschungsfeld immer wieder dem Phänomen einer „Re-Mission“; Protestanten fremder Herkunft bringen religiöse Praktiken wieder in deutsche Gemeinden, die einst von hier aus in die Mission gegangen ist.
Integration endet leider meist in Assimilation oder in Separation der Gemeindeglieder fremder Herkunft. Hier zeigen sich „viel zu häufig starre eurozentristische, postkolonialistische Deutungsmuster“. Wesentlich sei hingegen, den Fremden zunächst als Fremden zu betrachten und in ihrer Fremdheit ernst zu nehmen: „Ich gestehe dem Fremden zu, dass ich ihn zunächst nicht verstehe und dass er mich in seiner Fremdheit irritiert.“ Erst dann könne eine inklusive Perspektive auf ein „Gemeinsames Kirche-Sein“ eröffnet werden.
Annemarie Dupré von der Waldenser-Kirche gründete den „Servizio Rifugiati e Migranti“, der vom Bund Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI) getragen wird, als zentralen Hilfsdienst für Flüchtlingsarbeit und politische Information zum Thema Migration: „Seit Jahren haben wir Gott gebeten, dass Menschen in unsere kleine Kirche finden mögen. Er hat unsere Bitte auf ungeahnte Weise erhört. Nun sind wir herausgefordert, gemeinsam mit Migranten Kirche zu sein.“ Die Juristin schilderte ihre Erfahrungen mit Migration in Italien: „Religion spielt in der Kultur der meisten Flüchtlinge eine große Rolle – sie ist oft sogar entscheidend für die Wahl des Ziellandes.“ Zentrale Aufgabe der Kirchen sei es daher, Menschen Beheimatung und Beteiligung zu bieten - Migranten gestalten ihre neue Heimat mit: „Es geht im Umgang mit Zugewanderten nicht um Diakonie, sondern um Ekklesiologie, denn wir leben gemeinsam in der Kirche, die ein Teil der universalen Kirche ist.“ Dabei stellt Integration einen wechselseitigen Prozess dar: „Integration stellt auch Anforderungen an die Migranten - sie haben Pflichten und können es sich nicht in einer Opferrolle bequem machen.“ Dies entspräche, so Dupré weiter, den Vorstellungen vieler heutiger Migranten. Die in Europa ankommenden Menschen gehören zu den vitalsten Milieus ihrer Herkunftsländer. Diese Menschen in eine Opferrolle zu schieben, würde letztlich auch bedeuten, eine große Ressource für die Aufnahmeländer zu missachten.
Integration ist aus theologischer Perspektive eine doppelte Aufgabe, so Paul Metzger. Die biblische Geschichte sei geprägt von Wanderungs-, Flucht- und Integrationserfahrungen: Von der Vertreibung aus dem Paradies, der Zerstreuung nach dem Turmbau zu Babel bis zur identitätsstiftenden Erfahrung des Exodus des Volkes Israel aus Ägypten sind Menschen aus Hunger, Not und Gefahr auf Wanderung und der Suche nach neuer Heimat. Andererseits, so der Catholica-Referent am Konfessionskundlichen Institut Bensheim, ist die christliche Grundannahme die Einwanderung Gottes in das Leben der Menschen; Gott kommt in die menschliche Wirklichkeit.
Im Zuge der Konferenz wurden regionale Projekte im Kanton Schaffhausen besucht. Es referierten Experten für Schularbeit, Sozialdienstleistungen und Projekte in Wohnquartieren. Die Delegierten aus zwölf europäischen Ländern berichteten aus ihren Erfahrungen mit Ein- und Auswanderung und der integrativen und inklusiven Kraft von Kirche.
Alexander Gemeinhardt
Hintergrund EAKE
Der Evangelische Arbeitskreis für Konfessionskunde in Europa (EAKE) beschäftigt sich seit 1962 mit ökumenischen Entwicklungen in Europa. Er wird getragen vom Evangelischen Bund in Deutschland und Österreich und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE).
Vorsitzender des Fortsetzungsausschusses des EAKE ist Prof. Dr. Martin Friedrich (GEKE / Wien), seine Stellvertreterin Pfarrerin Dr. Birgit Lusche (Ev. Bund Österreich / Mitterbach). Weitere Mitglieder des Fortsetzungsausschusses sind Bischof em. Dr. Imre Szebik (Ökumenischer Rat der Kirchen in Ungarn / Budapest), Dr. h.c. Andreas Hess (Gastgeberland 2012 / Schaffhausen, Schweiz) und der Sekretär des EAKE, Mag. Alexander Gemeinhardt (Ev. Bund Deutschland / Bensheim).
An der 49. Jahrestagung des EAKE in Rüdlingen (Schweiz) nahmen 24 Delegierte aus elf europäischen Ländern teil, die 20 europäische Kirchen, Institute und Organisationen repräsentieren. Gastgeber war die Kantonalkirche Schaffhausen.
Die
50. Jahrestagung des EAKE findet vom 18. bis 21. April 2013 in Bensheim statt.



