Joachim Lell 1963 - 1981
Professor D. Joachim Lell (1916 - 1993) leitete das Institut von 1963 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1981.
„Evangelische Fragen an die römisch-katholische Kirche“
Ökumenische Einigung kann nicht mit einem übergeordneten statischen Einheitsbegriff arbeiten, sondern allenfalls mit Zielvorstellungen, die höchste Aktivität auslösen: etwa "Friede zwischen den Konfessionen". Hat sich dann erst einmal menschliches Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern gebildet, denn werden sie auch die Grundlagenfragen stellen müssen: Warum hat das Zweite Vatikanische Konzil die Mittlerstellung der katholischen Kirche noch weiter ausgebaut? Trotz aller Reformen scheint sich daran nichts geändert zu haben, daß das Verhältnis zur römischen Kirche über das Verhältnis zu Christus entscheidet. Die so viel gerühmten Strukturveränderungen durch die Aufnahme von Begriffen wie 'Kollegialität', 'Volk Gottes', 'Dienstgemeinschaft', 'Partizipation der Laien an den Ämtern Christi', kurz: die Auflockerung der Statik durch den Dialog als Bewegung - das alles haben wir mit Freude verfolgt. Und doch bleibt die Grundfrage des Evangeliums bestehen, warum sich die römisch-katholische Kirche als eine überpersonale, übernatürliche, übergeschichtliche oder metahistorische Größe, als Sakrament, als Repräsentantin Jesu Christi versteht und sich in der unbefleckt empfangenen und leiblich bereits in den Himmel aufgenommenen Jungfrau symbolisiert?
(Joachim Lell, Evangelische Fragen an die römisch-katholische Kirche, Bensheimer Hefte 32, 1967, 27.)


