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07. Oktober 2011
 

125 Jahre Evangelischer Bund

125 Jahre Evangelischer Bund
Generalversammlung in Hofgeismar eröffnet

Der Papst hätte durchaus die Chance gehabt, das 125-jährige Jubiläum des Evangelischen Bundes zu würdigen, als er vor zwei Wochen Deutschland besuchte. Denn in Erfurt, wo er sich mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland traf, wurde am 5. Oktober 1886 der „Evangelische Bund zur Wahrung deutsch-protestantischer Interessen“ gegründet. Darauf wies Bischof Martin Hein am Donnerstagabend in Hofgeismar hin. Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck predigte zur Eröffnung der 103. Generalversammlung des Evangelischen Bundes.

Die Präsidentin des Evangelischen Bundes, Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff, zum Jubiläum:

„Als der Evangelische Bund am 5. Oktober 1886, also gestern vor genau 125 Jahren gegründet wurde, war an eine Ökumene im heutigen Sinne noch nicht zu denken – schon gar nicht beim ‚Evangelischen Bund zur Wahrung deutsch-protestantischer Interessen’. Dessen erste Aktivitäten, von katholischer Seite als ‚Der Krach aus Wittenberg’ apostrophiert, wurden vor 25 Jahren bereits ausführlich wissenschaftlich untersucht und gewürdigt – ‚evangelisch und ökumenisch’ ist nicht nur der Titel des Jubiläumsbandes, sondern auch das Leitwort unseres Evangelischen Bundes.

Das 125. Jubiläum feiern wir deutlich kleiner, es ist ja auch ein ‚unrundes’. Es trifft den Evangelischen Bund in einer guten Phase der Konsolidierung, der aktiven und anerkannten Arbeit. In einer Zeit, in der der Evangelische Bund unaufgeregt und qualitativ seinen Dienst als ‚Konfessionskundliches und Ökumenisches Arbeitswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland’ tut.“

Der Generalsekretär des Evangelischen Bundes, Pfr. Dr. Walter Fleischmann-Bisten:

„Seit 125 Jahren besteht nun der Evangelische Bund. Seine Geschichte ist viel früher als die anderer Werke und Verbände aufgearbeitet worden. Auch für diesen 1913 mehr als eine halbe Million Mitglieder umfassenden Verein wurde das Ende des landesherrlichen Kirchenregiments 1918/1919, das Ende eines vierhundert Jahre alten Geflechtes von Thron und Altar zur Katastrophe, auf die man schlecht vorbereitet war. Republik und Demokratie wurden abgelehnt, mehr und mehr wurde das Prinzip der parteipolitischen Neutralität verlassen und man geriet in allzu deutsch-nationales und schließlich braunes Fahrwasser. Ausgerechnet von der nationalsozialistischen Bewegung erhoffte man sich die freilich dringend nötige Hilfe gegen den wachsenden Einfluss der Gottlosenpropaganda und der Entkirchlichung des Protestantismus. Die Vereinszahlen halbierten und drittelten sich in wenigen Jahren und fast wäre der Verein in der ersten Phase des deutschen Kirchenkampfes auseinandergebrochen. Im Zusammenhang seines 100-jährigen Bestehens hat sich der Evangelische Bund nicht nur schonungslos seiner Geschichte gestellt, sondern auch deutlich gemacht: Mit der Gründung des Konfessionskundlichen Instituts 1947 in Bensheim begann sich eine neue Ära zu entwickeln. Diese schlug sich nicht nur in neuen und geachteten Publikationen wie dem Materialdienst, den Bensheimer Heften und der Buchreihe ,Kirche und Konfession’ nieder. Augenfällig war der endgültig neue Kurs in den evangelischen Leitsätzen für das ökumenische Gespräch unter der Überschrift ,Evangelisch und Ökumenisch’ spürbar und wurde von hochrangigen Vertretern aller Kirchen anerkannt. Spätestens seit den wichtigen Beobachtungs- und Kommentierungsaufgaben des Konfessionskundlichen Instituts zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils und danach war der Evangelische Bund aus der evangelischen Landschaft Deutschlands nicht mehr wegzudenken. Heute ist der Evangelische Bund ein verlässlicher Partner in der Ökumene in einem europaweiten Netzwerk und ein unverzichtbarer Dienstleister für die ökumenische Arbeit der Landeskirchen.“

Eine ausführliche Würdigung des Evangelischen Bundes zu seinem 125. Jubiläum bietet die Zeitschrift "Evangelische Orientierung" (Nr. 4/2001, erscheint am 15.12.2011 - kostenfrei anzufordern unter info@ki-bensheim.de).

 

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