Forschung, Bildung und Lehrverantwortung
Forschung, Bildung und Lehrverantwortung
Konfessionsgebundene Theologie an der Universität
54. Europäische Tagung für Konfessionskunde in Bensheim [
hier]
Kann Religion aus der Binnenperspektive erforscht und gelehrt werden, bedarf es dazu nicht einer objektivierenden Außensicht? Auf der Grundlage der jüngsten "Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen" behandelte die 54. Europäische Tagung für Konfessionskunde in Bensheim die brisante Frage, wie und von wem Religion am besten erforscht und gelehrt werden kann. Die Theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten haben einen Doppelcharakter: Sie sind einerseits wissenschaftliche Institutionen, deren Dienstherr und Träger der Staat ist. Sie erfüllen andererseits durch die Ausbildung von Pfarrern und Religionslehrern kirchliche Aufgaben und unterliegen daher einer Konfessionsbindung. Die Kirchen haben, so die Präsidentin des Evangelischen Bundes, die Kirchenhistorikerin Gury Schneider-Ludorff, „das Interesse, die Theologie ins Gespräch mit den anderen Wissenschaften zu bringen und im interdisziplinären Dialog einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Bildung und Kultur zu leisten.“
Theologie ist als wissenschaftliche Methode und gesamtgesellschaftliche Aufgabe elementarer Bestandteil der modernen Universität, so der Münsteraner Hochschullehrer Christian Grethlein. Die kirchliche Bindung und konfessionelle Bestimmtheit der Lehrstühle sei weiterhin ein unverzichtbares Merkmal der theologischen Fakultäten. Nicht zuletzt hätten die Professoren Anteil an kirchenleitendem Handeln und nähmen so Lehrverantwortung für die Kirchen wahr. Da die konfessionelle Verschiedenheit prinzipiell dem Evangelium entgegensteht, sollte es evangelischerseits immer „um Bekenntnisdifferenzierung statt um Bekenntnistrennung“ gehen. Statt freikirchlicher Fachhochschulen und Bibelseminare sollten die klassischen Freikirchen vergleichbar den „reformierten Lehrstühlen“ an lutherischen Fakultäten als „An-Institute“ der staatlichen Fakultäten eingerichtet werden. Noch eindeutiger stellt sich die Situation für die römisch-katholische Kirche dar, so der Rektor der jesuitischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main, Ulrich Rhode. Katholische Fakultäten sind demzufolge zuerst für die Erforschung der Theologie zuständig, die nach katholischem Verständnis immer kirchlich gebunden sein muss. Das hat Konsequenzen bis in die Mitwirkung der Kirche bei Berufungs- und Habilitationsverfahren.
Für Volker Leppin ist Theologie ein „Trainingsprogramm intellektuellen Denkens“. Der Kirchenhistoriker der Universität Jena erinnerte daran, dass die Koppelung von Studium und Amt durchaus nicht immer selbstverständlich war – es gab bis ins Mittelalter durchaus Theologie ohne Universität bzw. Universität ohne Theologie. Erst durch die Professionalisierung der theologischen Ausbildung im Zuge von Reformation und Gegenreformation sowie durch humanistische Impulse außerhalb der Universität wurde die universitär-theologische Ausbildung zum Normalfall. Im Anschluss daran skizzierte der Erfurter Religionswissenschaftler Jörg Rüpke ein Modell eines „Department of Religious Studies“, das die theologische Differenzierung auf das Maß anderer Religionen zurückführen würde.
Alexander Gemeinhardt


