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12. April 2010
 

Healing of Memories in Bosnien

Podium der Konferenz in Sarajevo. Bild: HoM

Konfliktgeschichte der Kulturen Bosniens aufgearbeitet
Grossmufti Bosniens : „Ich habe einen Traum...”

03. bis 07. Mai 2010 Sarajevo: Erstmals trafen sich in Sarajevo die Religionsführer der vier im „Interreligösen Rat Bosnien Herzegowina” vertretenen Religionen - Muslime, Orthodoxe, Katholiken und Juden - zur gemeinsamen Aufarbeitung ihrer konfliktreichen Geschichte.

Unter der Leitung des württembergischen evvangelischen Pfarrers Dieter Brandes hatte der Weltrat der Kirchen Genf eingeladen zu einer europäischen Konsultation „Heilung und Versöhnung”. Es trafen sich dazu Vertretungen von christlichen Kirchen und interreligiösen Versöhnungsinitiativen aus 23 europäischen Ländern von Finnland bis Cypern und von Nordirland bis Georgien.

Im Mittelpunkt stand zum einen das Pauluswort 2. Korinther 5,18 „Gott hat uns das Amt der Versöhnung aufgetragen” wie auch die jüdische Weisheit „Das Geheimnis der Versöhnung ist Erinnerung”.

Die Teilnehmer beschäftigten sich u.a. mit den historischen Verletzungen der Saami (Lappen) in Norwegen wie auch mit den weiter andauernden Unversöhnlichkeiten der Konfliktparteien in Nordirland, wie ebenso mit dem beginnenden Versöhnungsprozess Russland-Polen wie mit der unversöhnlichen Haltung der Parteien im Georgischen Konflikt, wie auch mit den Spannungen in Macedonien und Kroatien. Sie suchten nach vergleichbaren Wegen der Versöhnung durch Heilung von Erinnerungen (Healing of Memories).

Das Oberhaupt der bosnischen Muslime der Grossmufti Dr. Mustafa Czeric beeindruckte mit einem auf die bosnische Situation leicht abgewandelten Martin Luther-Zitat : "Ich habe einen Traum, dass eines Tages meine Enkelkinder in einem Land leben werden, in dem man sie nicht nach ihrer Religion oder Sprache behandelt, sondern nach dem, was ihr Charakter aus ihnen macht.” Die bosnischen Beteiligten vereinbarten mit Pfarrer Brandes eine Fortführung der „Heilung durch Erinnerungen” für den Herbst 2010 in der Federführung des Weltrates der Kirchen.

Dem interreligiösen Dialog lag die CHARTA OECUMENICA - Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa” vor, die 2001 von der Konferenz Europäischer Kirchen und dem Rat der Europäischen (katholischen) Bischofskonferenzen unterzeichnet wurde mit den folgenden Artikeln :

Artikel 3. Aufeinander zugehen

Im Geiste des Evangeliums müssen wir gemeinsam die Geschichte der christlichen Kirchen aufarbeiten, die durch viele gute Erfahrungen, aber auch durch Spaltungen, Verfeindungen und sogar durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt ist. Menschliche Schuld, Mangel an Liebe und häufiger Missbrauch von Glaube und Kirchen für politische Interessen haben die Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses schwer beschädigt.

Artikel 10. Gemeinschaft mit dem Judentum vertiefen

Eine einzigartige Gemeinschaft verbindet uns mit dem Volk Israel, mit dem Gott einen ewigen Bund geschlossen hat. …Wir beklagen und verurteilen alle Manifestationen des Antisemitismus, wie Hassausbrüche und Verfolgungen. Für den christlichen Antijudaismus bitten wir Gott um Vergebung und unsere jüdischen Geschwister um Versöhnung.

Artikel 11. Beziehungen zum Islam pflegen

Seit Jahrhunderten leben Muslime in Europa. … Dabei gab und gibt es viele gute Kontakte und Nachbarschaft zwischen Muslimen und Christen, aber auch massive Vorbehalte und Vorurteile auf beiden Seiten. Diese beruhen auf leidvollen Erfahrungen in der Geschichte und in der jüngsten Vergangenheit.

Die Begegnung zwischen Christen und Muslimen sowie den christlich-islamischen Dialog wollen wir auf allen Ebenen intensivieren. Insbesondere empfehlen wir, miteinander über den Glauben an den einen Gott zu sprechen und das Verständnis der Menschenrechte zu klären.

 

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