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25. Juni 2010
 

Hier stehen sie und können nicht anders...

Ottmar Hörl stellt die ersten seiner 800 "Luther-Botschafter" in Wittenberg auf. Bild: Maisenbacher Artist Agent GmbH

Mit Luther wächst Wittenberg zu einem bedeutenden Zentrum des Buchdrucks in Deutschland heran. In seinem Buch "Martin Luther" schreibt der Theologe Veit-Jakobus Dieterich: "Die Reformation braucht den Buchdruck, diese neue Art der Textverarbeitung und -verbreitung, doch umgekehrt braucht auch der Buchdruck, um sich wirklich durchzusetzen, die Reformation. Die Reformation ist eine Medienrevolution. 1523 bestehen etwa zwei Fünftel der gut 900 auf Deutsch erschienenen Drucke aus Schriften Luthers." In diesem Sinne versteht der Künstler Ottmar Hörl sein Konzept für Wittenberg: "Meine Installationen im öffentlichen Raum, das Multiplizieren eines Modells, sind in ihrer künstlerischen Idee und Intention mit dem Buchdruck vergleichbar. Schließlich wird durch die Vervielfältigung ein Text, ein Bild, ein Phänomen erst sichtbar, einer Allgemeinheit zugänglich."

Seit April 2010 steht das von Johann Gottfried Schadow entworfene und den Wittenberger Marktplatz prägende Lutherdenkmal von 1821 nicht mehr an seinem Ort. Es ist zu  Restaurationszwecken abgebaut worden. Vor einem Jahr entstand die Idee, den für seine öffentlichkeitswirksamen und kommunikativen Installationen bekannten Künstler Ottmar Hörl für ein Kunstprojekt an dieser Stelle einzuladen.

"Hier stehe ich und kann nicht anders". Mit diesem Satz soll Martin Luther seine Rede beendet haben, nachdem er 1521 vom Wormser Reichstag aufgefordert wird, seine Schriften zu widerlegen. "Hier stehe ich.." überträgt der Künstler Ottmar Hörl symbolisch auf seine Installation mit 800 Luther- Figuren, die er für den Wittenberger Markt entwickelt hat. „Die für die künstlerische Installation entwickelten Luther-Figuren resultieren aus der bildhauerischen Konzeption von Gottfried Schadow. Seine Statue von Martin Luther war in Deutschland das erste öffentliche Denkmal für eine Persönlichkeit mit bürgerlichem Hintergrund. Für die Arbeit in Wittenberg wollte ich keine neue Luther-Figur erfinden, sondern an etwas bereits Vorhandenes respektvoll erinnern. Ich bin der Ansicht, dass sowohl die Figur von Schadow als auch die Thesen von Luther nicht künstlerisch neu interpretiert werden müssen. Martin Luther war sich über die Fehlbarkeit der Menschen bewusst. Sich als Heiligen oder als Denkmal zu stilisieren wäre für ihn undenkbar gewesen. Mit der seriellen Vervielfältigung der Luther-Statue unterstreiche ich seine Funktion als Übersetzer, die zu seiner Zeit überhaupt erst mit der Erfindung des Buchdrucks wirken konnte. Von der 1522 veröffentlichten Übersetzung des Neuen Testaments vom Lateinischen ins Deutsche wurden im gleichen Jahr 3.000 Exemplare verkauft und innerhalb von fünfzehn Jahren über 200.000 Stück. Ein Bestseller im wahrsten Sinne des Wortes.  Meine Installation soll die uneingeschränkte Präsenz und Bedeutung der Person Martin Luthers wieder begreifbar und erfahrbar machen. Ganz in seinem Sinne als Botschaft für alle Menschen.“

Das Projekt wird vollständig von Ottmar Hörl ausgerichtet. Die Refinanzierung soll über den Verkauf der installierten Arbeiten zu einem Preis von 250 Euro je Luther-Botschafter erfolgen. Die Stadt Wittenberg unterstützt die von der Geschäftsstelle "Luther 2017 der EKD" angeregte Kunstinstallation.

Die Installation " Martin Luther: Hier stehe ich..." von Ottmar Hörl wird vom 14. August bis 12. September 2010 auf dem Marktplatz der Lutherstadt Wittenberg präsentiert. Die Eröffnung findet am 14. August 2010 um 15 Uhr statt. 

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