Theologische Zoologie
Am 15. Dezember 2009 wurde das weltweit erste Institut für "Theologische Zoologie" in Münster ins Leben gerufen. Das Institut ist an der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) der Kapuziner in Münster angesiedelt und kooperiert mit der Universität Münster und der Katholischen Hochschule NRW. Auch das Bistum Münster unterstützt dieses Institut finanziell.
Idee und Begriff stammen vom Münsteraner Priester und Biologen Rainer Hagencord. Hagencord, studierte nach seiner Priesterweihe 1987 Biologie und Philosophie in Münster. In seiner Dissertation „Diesseits von Eden“, die schon mehrfach aufgelegt wurde, widmet er sich einer Neubestimmung des Tieres aus der Sicht der Theologie und der Verhaltensbiologie. Neben Hagencord arbeitet der Kapuziner Anton Rozetter mit am Institut.
.Das neue Institut hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Durch eine theologische Würdigung des Tieres soll ein neues Licht auf Theologie und Verkündigung, Spiritualität und Gesellschaft geworfen werden. Unter Berufung auf Thomas von Aquin geht es Hagencord um eine neue „Schöpfungsspiritualität“. Sein Institut suche dazu den Dialog mit Verhaltensbiologen und Evolutionstheoretikern. . Hagencord warf den Kirchen vor, das Thema Bewahrung der Tierwelt und der Schöpfung fast vollständig auszublenden. Kirchenvertreter redeten beim Thema Bewahrung der Schöpfung zu oft von „Sonne, Mond und Sternen“ und zu selten von ethischen Konflikten, die „an der Fleischtheke beginnen“. Er hoffe, mit seinem Institut das Wissen über die Tiere und damit auch über den Menschen zu fördern. Dies habe nichts mit Esoterik und biblischem Fundamentalismus zu tun, sondern mit einem wissenschaftlichen Dialog.
Schirmherrin des Instituts ist die renommierte Schimpansenforscherin Jane Goodall. Sie beklagte bei der Eröffnungsfeier, dass die westliche Kultur die Weisheit von der Würde des Tieres verloren habe. „Statt nach der Spiritualität zu fragen, sind wir dabei, unseren Planeten zu zerstören“. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen rief in seinem Grußwort zur Institutseröffnung zu einer neuen „Schöpfungsgemeinschaft“ auf. Eine theologische Würdigung des Tieres schließe die vermehrte Verantwortung des Menschen für seine Mitgeschöpfe ein.
Die Gründung des Instituts fand großes Interesse in der Öffentlichkeit, aber kaum bei den Vertretern der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität und wird auch in Kirchenkreisen zurückhaltend bewertet
Martin Bräuer

