01. Juli 2010
Wechsel im Einheitsrat
„Aus unmittelbarer Erfahrung“
Baseler Bischof Kurt Koch neuer Präsident des päpstlichen Einheitsrates
Baseler Bischof Kurt Koch neuer Präsident des päpstlichen Einheitsrates
Der Baseler Bischof Kurt Koch (60) wird neuer Präsident des päpstlichen Rates zur Förderung für die Einheit der Christen. Dies kündigte Koch selbst in einem Brief an die pastoralen Mitarbeiter seine Diözese an. Er wird das Bistum Basel zunächst als Apostolischer Administrator weiter leiten. Der 60 Jahre alte Schweizer schrieb weiter, dass der Papst ihn bereits im Februar nach seiner Bereitschaft zur Übernahme dieser Aufgabe gefragt habe. Die offizielle Ernennung erfolgte am Donnerstag, 1. Juli. Koch wird damit Nachfolger des deutschen Kurienkardinals Walter Kasper (77).
Kurt Koch war bereits bisher Mitglied des Einheitsrats und widmete sich auch in der Schweizer Bischofskonferenz ökumenischen Fragestellungen. Vor der Übernahme des Bischofsamt 1995 wirkte er als Professor für Dogmatik und gilt als der intellektuellste unter den Schweizer Bischöfen. In jungen Jahren ein machte er durch seine Verteidigung des Tübinger Professor Hans Küng auf sich aufmerksam Über das Amt des Papstes äußerte er sich als „das größte Hindernis auf dem Weg zur Ökumene". Kaum weniger deutlich verurteilte er, dass Frauen vom Priesteramt ausgeschlossen sind. Seine Zeit als Baseler Bischof und als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz 2007 bis 2009 ist durch eine wesentlich konservativere Haltung gekennzeichnet, die sich in Konflikten mit Priestern im spezifisch schweizerische Staats-Kirchen-Verhältnis ausdrückte.
Für evangelische Christen ist wichtig, dass mit Kurt Koch wieder ein Bischof in dieses vatikanische Leitungsamt gelangt, der über direkte Erfahrungen im Umgang mit evangelischen Kirchen verfügt. Dies sei auch, so Koch, eines der Motive für die Ernennung gewesen. Benedikt XVI. sei es ein wichtiges Anliegen, dass die Leitung des Einheitsrates von jemandem wahrgenommen werde, der die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen nicht nur aus der Literatur, sondern „aus der unmittelbaren Erfahrung“ kenne.
Kochs Vorgänger Walter Kasper wirkte, bevor er 1989 Bischof von Rottenburg-Stuttgart wurde, als Professor für Dogmatik in Münster und Tübingen. 1999 wurde er zunächst Sekretär und 2001 Präsident des vatikanischen Einheitsrates. Von der vielfach beschworenen Eiszeit im Dialog mit anderen Kirchen wollte er auch in ärgsten Krisenzeiten nichts wissen. Die unermüdlichen Bemühungen des Kardinals trugen zumindest in Richtung der Orthodoxie Früchte: Nach sechs Jahre langer Pause wurde der theologische Dialog zwischen Orthodoxen und Katholiken 2005 in Belgrad offiziell wieder aufgenommen.
Im Hinblick auf die Kontakte zu den evangelischen Kirchen warnte Kasper wiederholt vor ökumenischer Ungeduld. Der ökumenische Motor stottere gegenwärtig manchmal, sagte Kasper im Frühjahr im oberpfälzischen Weiden in seiner Predigt zur Eröffnung der Frühjahrstagung der bayerischen evangelischen Landessynode. Niemand könne die Unterscheide zwischen Katholiken und Protestanten vor allem im Verständnis von Kirche und Amt des Pfarrers oder Priesters übersehen. Ohne neuen ökumenischen Schwung stünden die Konfessionen jedoch in einem „eklatanten Widerspruch“ zu ihrem biblischen Auftrag und zu dem gemeinsamen Bekenntnis zur einen heiligen Kirch. Kasper betonte immer wieder den „geistlichen Ökumenismus“.
Koch gilt als enger Vertrauter des Papstes und hat manche seiner in der Öffentlichkeit umstrittenen Entscheidungen verteidigt. Man darf gespannt sein, welche Akzente Kurt Koch in seinem neuen Amt setzten wird.
Martin Bräuer D.D.

