Klassisches Luthertum und die Orthodoxie
Auszug aus dem Interview des russisch-orthodoxem Internetportals Bogoslov mit dem Ostkirchenreferenten des Konfessionskundlichen Instituts, Prof. Reinhard Thöle:
Поначалу возникшие Церкви Реформации видели в Православных Церквях что-то вроде старшей Церкви-сестры. Однако первые попытки обрести взаимопонимание не увенчались успехом, так как отчуждение между культурно разделенными пространствами было слишком большим; кроме того, Евангелические Церкви были слишком сконцентрированы на конфликте с Католической Церковью. Позже Церкви Реформации воспринимали себя как своего рода «лучшие Церкви» не только по отношению к католикам, но и по отношению к православным. Время от времени в богословской и светской литературе наблюдалось взаимовлияние, но долгосрочных, настоящих церковных встреч никогда не было. Надо, однако, подчеркнуть, что в отношениях между обеими Церквями не доходило до взаимных упреков и открытых конфликтов. Тем не менее необходимо сокращать эту отчужденность между Церквями и при этом находить новый богословский язык. Лично я считаю, что классическое лютеранство и православие гораздо ближе друг к другу, чем это до сих пор считалось.
Wenn man die Geschichte des Entstehens des Luthertums betrachtet, sind die Beziehungen der ersten Lutheraner mit den Patriarchen in Konstantinopel bekannt: nach dem Schisma mit Rom haben sie die Einheit mit dem Osten gesucht. Was denken Sie, wie groß sind die dogmatischen Unterschiede zwischen den Lutheranern und den Orthodoxen?
Die neu entstehenden Kirchen der Reformation sahen zunächst in den orthodoxen Kirchen so etwas wie eine ältere Schwesterkirche. Die ersten Verständigunsgmöglichkeiten scheiterten aber, weil die Entfernungen zwischen den kulturell getrennten Räumen zu groß waren und weil die Evangelischen zu sehr auf den Konflikt mit der katholischen Kirche konzentriert waren. Später verstanden sich die reformatorischen Kirchen nicht nur als eine Art „Besserkirche“ gegenüber den Katholiken sondern auch gegenüber den Orthodoxen. Es gab zwar immer wieder gegenseitige Einflüsse in der theologischen und weltlichen Literatur, aber nie weitreichende echte kirchliche Begegnungen. Festgehalten werden muss allerdings, dass es zwischen beiden Kirchen nie zu Lehrverurteilungen oder zu Verdammungen gekommen ist. Es ist jedoch eine große Fremdheit zwischen beiden Kirchen abzubauen und dabei auch eine neue theologische Sprache zu finden. Ich persönlich glaube, dass sich das klassische Luthertum und die Orthodoxie sehr viel näher sind, als sie bisher entdeckt haben.
Das Interview im Volltext auf
russisch und
deutsch.

