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KI-Newsletter 2009

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KI-Newsletter 2009-01: Konfessionskundliche Jubiläen 2009

„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“Aus der These 1 der Barmer Theologischen Erklärung, 31. Mai 1934

Ein Nachdruck der einzelnen Artikel oder auch des gesamten Newsletters ist bei Nennung der Quelle ("Newsletter des Konfessionskundlichen Instituts / www.ki-bensheim.de") und des AutorInnen-Namens gerne erlaubt. Bitte schicken Sie uns ein Belegexemplar zu.

9 Varusschlacht
809 Konzil von Aachen
1209 Ordensregel des Franz von Assisi
1209 Innocenz III. ruft den Albigenserkreuzzug aus
1409 Konzil von Pisa
1559 Melanchthon, Loci praecipui teologici; Calvin, Institutio christianae religionis
1609 400 Jahre Baptismus
1959 Gründung der KEK
09.01.1734 Wilhelm Abraham Teller
13.01.1759 Vertreibung der Jesuiten aus Portugal
25.01.1959 Ankündigung  des 2. Vatikanischen Konzils durch Johannes XXIII.
03.02.1809 Felix Mendelssohn-Bartholdy
11.02.1929 Unterzeichung der Lateranverträge und Gründung des Vatikanstaates
12.02.1809 Charles Robert Darwin
12.02.1834 Todestag von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
15.02.1559 Erster Index Librorum Prohibitorum erschienen
18.02.1984 Neuer Staatskirchenvertrag in Italien
27.02.1989 Todestag von Konrad Lorenz
06.03.1984 Todestag von Martin Niemöller
17.03.1834 Gottlieb Wilhelm Däumler (Daimler)
17.03.1959 Tenzin Gyatso flieht ins Exil
30.03.1984 Todestag von Karl Rahner
14.04.1759 Todestag von Georg Friedrich Händel
18.04.1934 Erste Fernsehübertragung in Deutschland
21.04.1109 Todestag von Anselm von Canterbury
24.04.1909 Bernhard Klemens Maria Grzimek
06.05.1859 Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt
22.05.1859 Sir Arthur Conan Doyle
31.05.1934 Theologische Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen
14.06.1929 Preußenkonkordat
10.07.1509 Johannes Calvin
28.07.1909 Carl Andresen
29.08.1009 Mainzer Dom
07.09.1159 Alexander III. wird Papst
15.09.1909 100 Jahre Berliner Erklärung
31.10.1999 Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre
09.11.1989 Fall der Berliner Mauer
10.11.1759 Friedrich (von) Schiller2
9.11.1959 Brot für die Welt
02.12.1409 Alma mater lipsiensis
14.12.1959 Augustin Bea S.J. zum Kardinal kreiert
19.12.1909 Borussia Dortmund

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9 Varusschlacht
Es ist schwer zu bestimmen, wie alt Deutschland eigentlich ist. Entstand es als moderner Staat wirklich erst mit Bismarcks Reichsgründung 1871? Die Deutschen jedenfalls gibt es schon viel länger. In diesem Jahr wird man ständig hören: Seit 2000 Jahren. Damals, im Jahr 9 n. Chr., wurde das Heer des römischen Feldherren Quinctilius Varus von den Truppen des germanischen Heerführer Arminius, der seit Luther „Hermann der Cherusker“ genannt wird, in der sogenannten „Schlacht am Teutoburger Wald“ vernichtend geschlagen.
Mögen die Fachleute auch weiterhin über den genauen Ort und den Verlauf der Schlacht sowie über die Motive der Angreifer rätseln – wir sind überzeugt von einer Motivationslage, die schon damals einzelne Volksgruppen übergreifend gewirkt hat und im selben Maße global wurde, wie das Römische Reich selbst die Globalisierung der damals bekannten Welt vorangetrieben hat. Deshalb wissen wir uns mit den berühmten Historikern René Goscinny und Albert Uderzo einig, die in ihrer großartigen Rekonstruktion des Unabhängigkeitskampfes eines gallischen Dorfes schon 60 Jahre vor der Varusschlacht die wahren Motive des antirömischen Widerstands herausgearbeitet haben: „Die spinnen, die Römer!“
Dr. Martin Schuck ist Referent für Catholica und Publizistik am Konfessionskundlichen Institut Bensheim, Vorsitzender EB Pfalz; martin.schuck(at)ki-eb.de

809 Konzil von Aachen
Geht der Heilige Geist aus dem Vater hervor – oder aus dem Vater und dem Sohn (ex Patre Filioque)? Bis heute ein ökumenischer Zankapfel, wurde der Dissens zwischen Griechen und Lateinern erstmals 808 in Jerusalem offenkundig. Karl der Große ließ 809 auf einem Konzil in Aachen die Korrektheit des Filioque bestätigen, indem die Kirchenväter sämtlich als Zeugen dieser Theologie aufgeboten wurden. Theologisch befriedigte das schon damals nicht. Im September 2009 wird ein Kongress in Aachen untersuchen, was es mit dem Filioque heute auf sich hat – und wo in der Geschichte dieses Konflikts das Konzil von 809 steht.
Prof. Dr. Peter Gemeinhardt lehrt Kirchengeschichte an der Universität Göttingen, Vorstandsmitglied EB Kurhessen-Waldeck, peter.gemeinhardt(at)theologie.uni-goettingen.de

1209 Ordensregel des Franz von Assisi
Die Regula Primitiva ist verloren – jene franziskanische Urregel, die Giovanni Battista Bernardone mit zwölf (sic!) Brüdern 1209 von Innozenz III. bestätigen lassen wollte. Als Buß- und Wanderprediger traten sie auf und erwirkten eine vorläufige Bestätigung, die mit dem IV: Laterankonzil 1215 rechtskräftig wurde. 1223 wurde die „Bullierte Regel“ approbiert. Franziskus inspirierte über die Jahrhunderte Menschen – spirituelle und soziale Bewegungen berufen sich auf ihn ebenso wie Tierschützer und Kirchenkritiker. Die deutschen Franziskanerprovinzen zählen derzeit ca. 530 Brüder, sie werden am 01.07.2010 zur Deutschen Franziskanerprovinz von der Heiligen Elisabeth mit Sitz in München vereinigt.
Alexander F. Gemeinhardt ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Geschäftsführer des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim; alexander.gemeinhardt(at)ki-eb.de

1209 Innocenz III. ruft den Albigenserkreuzzug aus
Ein Kreuzzug ist eine bewaffnete Wallfahrt zu einer heiligen Stätte im Heiligen Land. Ist diese heilige Stätte nicht frei zugänglich, da sie von Andersgläubigen in Besitz genommen wurde, so kann der Wallfahrer sich seiner Waffen bedienen, um sich Zugang zu verschaffen. Dafür ist er vom Papst mit Privilegien ausgestattet. Der große Organisator Innozenz III, der erste Papst, der sich Stellvertreter Christi nannte, sah in den auftretenden Ketzergruppen eine Gefahr, die die Einheit des Christentums auflösen konnte. Er war bereit, das Streben der Ketzer nach evangelischem und apostolischem Leben anzuerkennen, sofern sie sich an die Lehren der Kirchen hielten. 1209 approbierte er das radikale Lebensprogramm des Franziskus von Assisi. Im gleichen Jahr gestattete er aber auch für einen Krieg gegen die südfranzösischen Ketzer die gleichen Privilegien wie für einen Kreuzzug. Seltsamerweise gibt es aber bis heute in Albi keine beachtenswerten heiligen Wallfahrtsstätten.
Mario Fischer, Vikar in Löhnberg, ist Vorstandsmitglied des EB Hessen und Nassau, fischer.mario(at)gmx.de

1409 Konzil von Pisa
Zwei Päpste zur gleichen Zeit? Das darf nicht sein. So beriefen die Kardinäle ein Konzil in  Pisa ein, um die rivalisierenden Päpste abzusetzen und einen neuen Papst zu wählen. Da keiner aber auf seine päpstlichen Pflichten verzichten wollte, gab es von nun an drei Päpste mit ihrer jeweiligen Anhängerschaft. Erst das Konzil von Konstanz setzte 1417 alle drei ab und wählte wieder ein Haupt der einen katholischen Kirche. Die römisch-katholische Kirche erkennt die Entscheidung des Konzils von Pisa nicht an, was sich letztlich erst 1958 bei der Namensgebung von Giuseppe Roncalli als Johannes XXIII. klärte.
Mario Fischer

1559 Melanchthon, Loci praecipui teologici; Calvin, Institutio christianae religionis
Philipp Melanchthon arbeitete seit 1521 an seiner evangelischen Dogmatik, Johannes Calvin seit 1536. Im Jahr 1559 legten beide ihre letzten Fassungen vor. Erst kurz zuvor hatten die Wittenberger und Genfer Reformatoren ihren Dissens in der Abendmahlsfrage endgültig festgestellt. Hätte man nicht auch in einer Dogmatik die Summe der reformatorischen Lehre ziehen können? Wohl kaum – zu verschieden waren Theologien und Temperamente. Obwohl sie in der Abgrenzung gegen die Altgläubigen einig waren und sich selbst jeweils als wahre Kirche sahen: Zur Kirchengemeinschaft reichte es nicht. Evangelisch gibt es nur im Plural – damals. Und heute?
Prof. Dr. Peter Gemeinhardt

1609 400 Jahre Baptismus
2009 feiern die nahezu 50 Millionen Baptisten in aller Welt den 400. Geburtstag ihrer Konfessionsfamilie. Die Baptisten (Täufer) sind eine Frucht des englischen Puritanismus. Dieser versuchte am Ende des 16. Jahrhunderts die Kirche von England von katholischen Einflüssen zu befreien und das Erbe reformierter Theologie und Frömmigkeit durchzusetzen. Der hierarchische Aufbau der Anglikanischen Kirche wurde abgelehnt. Die so entstandenen unabhängigen (indepentenden)Gemeinden wurden verfolgt und mussten nach Holland fliehen. Dort entstand unter dem Einfluss holländischer Mennoniten die erste Baptistengemeinde. Der vormals anglikanische Pfarrer John Smyth vollzog an sich eine Selbsttaufe und taufte dann seine Glaubensgeschwister „durch Übergießen“. Das kongregationalistische Gemeindemodell mit weitgehender Eigenverantwortung der Einzelgemeinden wurde entscheidend für den Baptismus, der heute überwiegend durch den 1905 gegründeten Baptistischen Weltbund repräsentiert ist.
Pfarrer Dr. Walter Fleischmann-Bisten M.A. ist Referent für Freikirchen und Leiter des Konfessionskundlichen Instituts sowie Generalsekretär des Evangelischen Bundes; walter.fleischmann-bisten(at)ki-eb.de

1959 Gründung der KEK
„Was die Dame munter hält, ist die orthodoxe Welt.“
Auch schon 50 wird die KEK, die Konferenz Europäischer Kirchen (mit groß zu schreibendem E). Mittlerweile knapp 130 Kirchen arbeiten miteinander. Zusammengeführt hat sie nach dem II. Weltkrieg die Sehnsucht nach Frieden und der politische Wille zur Frieden stiftenden Kooperation. Was nach dem Krieg mit inoffiziellen Gesprächen begann, mündete in die Gründung der KEK (Januar 1959) im dänischen Nyborg Strand. Spektakulärer und zugleich nachhaltiger wirkte allerdings die auf See (zur „Umschiffung“ visarechtlicher Probleme) tagende 4. VV 1964, bei der eine Satzung verabschiedet wurde, die aus der KEK eine auch ekklesial fassbare Größe entstehen ließ. Friedens- und Versöhnungsarbeit sind die Hauptaufgaben der KEK geblieben. Das heißt nicht, dass die KEK von politischen Zwisten unberührt bliebe. So hat im Oktober 2008 wegen der (dilatorisch zu verstehenden) Nichtaufnahme der (russisch orientierten) estnischen orthodoxen Kirche das Moskauer Patriarchat seine Mitarbeit einstweilen sistiert.
PD Dr. Johannes Ehmann ist Referent für Ökumene am Konfessionskundlichen Institut Bensheim, johannes.ehmann(at)ki-eb.de

09.01.1734 Wilhelm Abraham Teller - 275. Geburtstag
Nach seinem Theologiestudium in Leipzig wurde Wilhelm Abraham Teller bereits mit 27 Jahren Generalsuperintendent und ordentlicher Professor in Helmstedt. Als bedeutender Vertreter der Neologie suchte er nach einem kirchlich eingebundenen Mittelweg in der Aufklärung zwischen lutherischer Orthodoxie und französischer Religionsfeindschaft. Als Propst und Oberkonsistorialrat in Berlin fasste er die Religionsfreiheit weiter als das Wöllnersche Religionsedikt und verteidigte den zweifelnden Gelsdorfer Pfarrer Schulz in einem Gutachten vor Gericht. Der preußische König war darüber so wütend, dass er Teller für drei Monate suspendierte und sein Gehalt an das Berliner Irrenhaus gab. Zusammen mit den Aufklärungstheologen Johann Philipp Gabler und Friedrich Christian Löffler wurde Wilhelm Abraham Teller das „rationalistische Tischbesteck“ genannt.
Dr. Harald Lamprecht ist Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Geschäftsführer EB Sachsen, lamprecht(at)confessio.de

13.01.1759 Vertreibung der Jesuiten aus Portugal
Im Jahr 1752 wurde Sebastiao José de Cavalho e Melo Pombal in Portugal Minister für Auswärtige Angelegenheiten und Chef des Kabinetts von König Josef I. aus dem Hause Braganza. Pombal wollte den absehbaren Niedergang Portugals verhindern und nahm einige Reformen in Angriff, etwa die Entflechtung des Beamtenapparats, die Sanierung der Staatsfinanzen und die Neuordnung des Überseehandels. Letzteres war die Domäne der Jesuiten, die den ganzen Handel fast monopolartig an sich gezogen hatten. Als am 1. November 1755 ein Erdbeben Lissabon fast vollständig zerstörte und 30.000 Menschen den Tod brachte, wurde aus jesuitischen Kreisen die Botschaft verbreitet, dies sei eine Strafe des Himmels für die Gottlosigkeit des Ministers Pombal. Es folgte ein Kulturkampf der Jesuiten, die eine starke Stellung am Königshof hatten, gegen den eher laizistisch orientierten aufgeklärten Absolutismus Pombals. Am Ende siegte Pombal und schaffte es mittels eines Hochverratsprozesses, die Jesuiten aus Portugal ausweisen zu lassen. Es war der Auftakt zu einer Reihe von Vertreibungen aus europäischen Ländern, an deren Ende die Aufhebung des Ordens 1773 durch Papst Klemens XIV. stand.
Dr. Martin Schuck

25.01.1959 Ankündigung  des 2. Vatikanischen Konzils durch Johannes XXIII.
Am 25. Januar 1959 gab Papst Johannes XXIII. vor 17 Kardinälen im Kapitelsaal der römischen Basilika St. Paul vor den Mauern völlig überraschend bekannt, dass er ein Konzil einzuberufen beabsichtige, dessen Ziel die „Erneuerung“, „größere Klarheit im Denken“ und „Stärkung des Bandes der Einheit“ sein solle. Die Nachricht der Einberufung wurde weltweit mit großer Aufmerksamkeit entgegen genommen. Nicht begeistert war dagegen ein Teil der Kurienkardinäle. Als Ziel für das Konzil nannte Johannes XXIII. ein umfassendes Aggiornamento, die allgemeine Neubestimmung der Lehre und des Lebens der Kirche. Es wurde in vier Sitzungsperioden zwischen Oktober 1962 und Dezember 1965 abgehalten.
Pfarrer Martin Bräuer D.D. ist Referent für Catholica am Konfessionskundlichen Institut Bensheim, Vorstandsmitglied EB Hessen und Nassau; martin.braeuer(at)ki-eb.de

03.02.1809 Felix Mendelssohn-Bartholdy
„Bartholdy“ wurde auf Wunsch des Vaters ohne Bindestrich angehängt, weil „Mendelssohn“ in der nächsten Generation wegfallen sollte. Der getaufte Enkel Moses Mendelssohns trug jedoch den jüdischen Namen mit Stolz. Im Sinne Schleiermachers war ihm Religion mehr als kirchliche Dogmatik. Er konnte eine Choralmelodie von allem Text ablösen und romantisch verschattet in weltliche Kompositionen einbauen. Zugleich widmete er sich wie kein anderer namhafter Komponist der Zeit dem Problem geistlicher Musik. Er benutzte Texte und Weisen von Luther und komponierte auch für katholische und anglikanische Anlässe. Mit der Wiederaufführung der vergessenen Matthäuspassion Bachs schuf er sich schärfste Konkurrenz in der evangelischen Kirchenmusik. Auch nach dem Ende des Dritten Reiches, in dem seine Musik verboten war, verdrängten die Wort-Gottes-Theologie und die Orientierung am Klangideal des Vorbarock und der neuen Polyphonie seine Kirchenmusik noch auf Jahrzehnte.
Pfarrer i. R. Dr. Walter Schöpsdau, Beratender Mitarbeiter für Moraltheologie am Konfessionskundlichen Institut Bensheim, Vorstandsmitglied EB Pfalz; walter.schoepsdau(at)ki-eb.de

11.02.1929  Unterzeichung der Lateranverträge und Gründung des Vatikanstaates
Seit der Besetzung Roms 1870 durch die italienischen Truppen und dem damit verbundenen Untergang des Kirchenstaates war der Status des Vatikans ungeklärt. Durch die Lateranverträge zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien unter der Diktatur des Ministerpräsidenten Benito Mussolini wurde das Gebiet des Vatikans zu einem souveräner Staat festgeschrieben. Der Staat der Vatikanstadt untersteht der Autorität des Heiligen Stuhls, welcher nach internationalem Recht ein souveränes, nicht staatliches Völkerrechtssubjekt ist. So pflegt auch der Heilige Stuhl und nicht der Staat der Vatikanstadt diplomatischen Beziehungen zu anderen Staaten.
Martin Bräuer D.D.

12.02.1809 Charles Robert Darwin
Charles Darwin zog aus, den südamerikanischen Kontinent zu erforschen. Er kam zurück mit einer Theorie, die die Welt veränderte, bzw. wie sich die Welt veränderte. Pflanzen, Tiere und Menschen sind nicht aus dem Nichts entstanden, schon gar in sieben Tagen, sondern die Arten haben sich weiterentwickelt und tun dies auch heute noch.
Nicht nur der Streit, ob Schöpfungslehre bzw. ein Intelligent Design oder Evolution im Biologieunterricht gelehrt werden darf, erregt in Amerika und Hessen die Gemüter. Auch sonst wird die Theologie durch Darwins Evolutionstheorie auf unterschiedlichste Weise herausgefordert: Was ist der Kern des christlichen Schöpfungsglaubens? Gibt es (wenn schon keinen biologischen, so doch) einen theologischen Zielpunkt, das Omega, auf das alles zuläuft? Ist alle Entwicklung nur Zufall oder steht hinter der Entwicklung des Menschen eine Notwendigkeit, ein sog. Anthropisches Prinzip? Wie sieht es aus mit dem »Survival of the fittest« und Jesu Botschaft von der Zuwendung zu denen, die sich selbst nicht helfen können?
Wie dieser »Struggle for life« am Ende ausgeht – das wird sich entwickeln.
Vikarin Christina Krause, Freiberg a. Neckar, ist Vorstandsmitglied des EB Württemberg, christina.krause(at)eb-wuerttemberg.de

12.02.1834 Todestag von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Wenn ein Krankenhausseelsorger sich nur um die Patienten der eigenen Konfession kümmert, so hat er weniger zu tun. Die gewonnene Zeit verbrachte Schleiermacher in den Berliner Salons. Für dieses Publikum schrieb er auch seine „Reden über die Religion“. Religion darf nicht in Moral oder Metaphysik aufgelöst werden, sondern sie ist „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“. 1809 wird er reformierter Prediger und Professor an der neugegründeten Berliner Universität. Sein umfangreiches Werk bringt ihm den Namen des „ Kirchenvaters des 19. Jahrhunderts“ ein. Fragt sich nur, wo er die Zeit zum Schreiben hernahm.
Mario Fischer

15.02.1559 Erster Index Librorum Prohibitorum erschienen
Erstmalig erschien unter diesem Datum der Index als eine Liste von Werken, die Katholiken bei Strafe der Exkommunikation nicht lesen durften. Er wurde herausgegeben von der Römischen Inquisition, welche 1542 als Reaktion auf den Protestantismus gegründet worden war. Da sich die Reformation zur Verbreitung ihrer Gedanken des Mediums Buch bediente, wurde es eine der Hauptaufgaben der Römischen Inquisition und der 1571 gegründeten und 1917 aufgehobenen Indexkongregation, den Buchmarkt zu beobachten. Autoren wie Balzac, Heine, Kant, Lessing, Locke, Luther, Pascal, Ranke, Sartre, Spinoza u.v.a. sind dort zu finden, zuletzt umfasste der Index  4200 Einzelwerke und 97 Gesamtausgaben. Seine letzte amtliche Ausgabe erschien 1948 mit Nachträgen bis 1962. 1966 wurde der Index offiziell abgeschafft.
Martin Bräuer D.D.

18.02.1984 Neuer Staatskirchenvertrag in Italien
Unter der ersten italienischen Regierung, die von einem Sozialisten (Bettino Craxi) geführt wurde, konnte vor 25 Jahren eine weitreichende Revision der „Lateranverträge“ vom 11.2.1929 erreicht werden. Während jenes Konkordat den römisch-katholischen Glauben als „einzige Staatsreligion“ anerkannte, stellte dessen Revision von 1984 klar, dass „der Staat und die katholische Kirche jeder in seiner eigenen Ordnung unabhängig und souverän“ sind und er römische Katholizismus nicht mehr die einige Staatsreligion darstellt. Die bisherige Finanzierung des Klerus durch den Staat wurde durch eine Kultursteuer (Otto per mille) ersetzt, deren Empfänger die Steuerpflichtigen selbst entscheiden können. Dadurch war es auch möglich geworden, dass die Minderheitskirchen entsprechen den Vorgaben der Verfassung von 1948 eine je gesonderte Vereinbarung (Intesa) mit dem Staat abschließen und von der Kultursteuer profitieren konnten.
Dr. Walter Fleischmann-Bisten

27.02.1989 Todestag von Konrad Lorenz
„Ein Wissenschaftler, der sein Objekt nicht liebt und der sich am Wissen über das Objekt nicht ergötzt, gehört in die Würst“ - so der leidenschaftliche Forscher. Nicht nur für Biologen ist der Nobelpreisträger des Jahres 1973 ein vertrauter Name. Als „Vater der Graugänse“ wird der Mitbegründer einer modernen vergleichenden Verhaltensforschung bezeichnet. Mit seiner packenden Erzählkunst wußte er seine Leser zu faszinieren, seine Tiergeschichten wurden nicht nur unter Biologen zu häufig gelesenen Werken. Auch als ökologischer Gesellschaftskritker im Kampf gegen die Zerstörung der Umwelt ist Lorenz bekannt: kämpfte gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf und engagierte sich für die Erhaltung einer der letzten Auenlandschaften an der Donau.
Pastor Dr. Steffen Storck, Vorsitzender EB Nordelbien, nestorck(at)gmx.de

06.03.1984 Todestag von Martin Niemöller
Vor 25 Jahren starb in Wiesbaden der weit über Deutschland hinaus bekannte, verehrte und heftig kritisierte Pfarrer Martin Niemöller. Der am 14. Januar 18892 im westfälischen Lotte geborene Pfarrerssohn war während des Ersten Weltkrieges U-Boot-Kommandant und wurde 1931 nach Berlin-Dahlem berufen. Sein Kampf als Gründer des Pfarrernotbundes im September 1933, seine mutigen Predigten gegen das NS-Regime und seine Mitarbeit in der Leitung der Bekennenden Kirche führten 1937 zu seiner Verhaftung. Trotz Freispruch durch das Gericht wurde er als persönlicher Gefangener Hitlers in das KZ Sachsenhausen gebracht und später nach Dachau. 1945 übernahm er die Leitung des Kirchlichen Außenamtes der EKD, wirkte maßgeblich an der „Stuttgarter Schulderklärung“ mit.1947 wurde er erster Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Bewunderer wie Gegner schuf er sich durch seinen Einsatz gegen Wiederbewaffnung und atomarer Rüstung und durch seine vielseitigen Kontakte in die DDR und die Sowjetunion.
Walter Fleischmann-Bisten

17.03.1834 Gottlieb Wilhelm Däumler (Daimler)
Heißt das Auto jetzt Daimler oder Benz? Während die Schwaben felsenfest davon überzeugt sind, dass sie mit dem Daimler zum Einkaufen fahren, redet der Rest der Republik von Benz.
Carl Benz hatte das erste dreirädrige Fahrzeug gebaut, Gottlieb Daimler entwickelte den ersten Verbrennungsmotor. Zuerst als Wagen ohne Pferde verlächelt, stehen die Namen Daimler und Benz mittlerweile für den Beginn des Siegeszuges des von ihnen erfundenen Automobils.
Aber was das Auto und Daimler mit Konfessionskunde zu tun hat? Ist doch klar. Schließlich fährt der Papst nicht mehr seinen Ratzinger-Golf, sondern ist auf´s Papamobil umgestiegen. Einen echten Daimler.
Vikarin Christina Krause

 17.03.1959 Tenzin Gyatso flieht ins Exil
1933 stirbt der tibetische Mönch Thubten Gyatso als glücklicher Mensch. 1895 wurde er als 13. Dalai Lama inthronisiert. Er war nicht nur der erste Dalai Lama seit 100 Jahren, der seine Inthronisation erleben durfte; auch konnte er erstmals seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wieder die weltliche Macht in Tibet ausüben. Sein Nachfolger hatte weniger Glück: 1938 wurde der dreijährige Bauernsohn Lhamo Dhondrub „entdeckt“ und als Tenzin Gyatso im Kloster auf sein Amt vorbereitet. Die Inthronisation 1950 fällt zusammen mit der Okkupation Tibets durch rotchinesische Truppen. Es beginnt ein langjähriger Untergrundkampf, in dessen Verlauf der 14. Dalai Lama nach Indien flieht und mit amerikanischem Geld, das immer reichlich vorhanden ist, eine Tibetische Exilregierung aufbaut.
1997 verkündet er in New York, für den Fall, dass bis zu seinem Tod das Tibetproblem nicht gelöst sei, werde er unter keinen Umständen in Tibet, sondern irgendwo „in der freien Welt“ Wiedergeburt annehmen. Das ist durchaus möglich: Immerhin leben etwa 100.000 Tibeter im Exil.
Dr. Martin Schuck

30.03.1984 Todestag von Karl Rahner
Seine Schüler klagen, dass die katholische Kirche sich nur halbherzig auf seine Theologie eingelassen habe und sich darum immer weiter vom Konzil entferne. Anderen ist es eine Anfechtung, wie eine solche „Theologie der Nivellierung“, die sich „asymptotisch dem Atheismus nähert“ (H. U. v. Balthasar) zu solchem Einfluss gelangen konnte. Nach Rahner bringt die Kirche der Welt keinen fremden Gott, sondern führt den Menschen vor das aufgedeckte Geheimnis seiner Existenz. Von der geschehenen Offenbarung her gilt ihm Anthropologie als implizite Christologie. Seine Theorie des „anonymen Christen“ besagt, dass authentisches Menschsein immer schon heilshaft auf die Gnade Gottes bezogen ist, die in Christus geschichtlich unüberbietbar erschienen ist und in explizite Nachfolge ruft. Seine ökumenischen Vorschläge in „Einigung der Kirchen – reale Möglichkeit“ (1983) stießen bei Kardinal Ratzinger wie bei Eilert Herms auf Widerspruch.
Dr. Walter Schöpsdau

14.04.1759 Todestag von Georg Friedrich Händel
Verdankt die Welt den „Messias“ am Ende der „Dreigroschenoper“? Als der aristokratischen italienischen Oper, die Händel in London auf ihren Höhepunkt geführt hatte, durch ihre Parodie in der „Beggar’s Opera“ der Todesstoß versetzt wurde, wandte sich Händel zunehmend dem Oratorium zu, das ein breites bürgerliches Publikum ansprach und mit dem „Messias“ (1742) ein Gipfelwerk der Gattung erreichte. Händels Musik mit ihrer übersichtlichen Harmonik, ihrer leicht fasslichen Polyphonie und ihrem sinnenfroh-diesseitigen Klang fand – anders als das Werk des grüblerischen Bach – sogleich europäische Anerkennung, die ihm auch Aufträge römischer Kardinäle einbrachte. Während seine Oratorien und Anthems für den anglikanischen Gottesdienst das ganze 19. Jahrhundert hindurch gepflegt wurden, hat erst die historische Aufführungspraxis unserer Tage seine Opern für das Musiktheater zurückgewonnen.
Dr. Walter Schöpsdau

18.04.1934 Erste Fernsehübertragung in Deutschland
In der Berliner Krolloper wurde der Öffentlichkeit der weltweit erste Fernsehsender vorgestellt. Der Sender wurde nach dem deutschen Erfinder „Paul Nipkow“ benannt, bestand von 1934 bis 1944 und übertrug ein regelmäßiges Fernsehprogramm. Das Höchstmaß an Publizität erreichte er im August 1936, als während der Olympischen Sommerspiele in Berlin quasi live von den Sportveranstaltungen berichtet und von rund 160.000 Zuschauern an den Bildschirmen verfolgt wurde. Auf dem Höhepunkt der Aktivität des Senders gab es in Berlin 27 Fernsehstuben, deren Eintritt kostenlos war und während des Krieges auch deshalb gern besucht wurde, weil diese geheizt waren. Zählte man die in Privathaushalten befindlichen Heimempfänger mit, betrug die Zahl der Fernsehgeräte in ganz Berlin zu dieser Zeit etwa 75.
Bis zum 14.12.1952 dauerte es bis zum ersten evangelischen Fernsehgottesdienst (aus Hamburg), am 25.03.1953 folgte der erste römisch-katholische aus Köln. Aus Salzburg wurde 1959 gesendet, im Fernsehen der DDR wurde der erste Fernsehgottesdienst im Lutherjahr 1983 ausgestrahlt.
Dr. Steffen Storck

21.04.1109 Todestag von Anselm von Canterbury
Er wollte denkend nachvollziehen, was dem Glauben gewiss ist. Wenn Gott das ist, worüber Größeres nicht gedacht werden kann – dann kann Gott nicht nur eine Hypothese sein, dann ist er der Gott, der mein Gebet hört. Nur zu denken, aber dabei nicht zu beten führte die Kritiker des „ontologischen Gottesbeweises“ auf den Holzweg. Die Fragen waren einfach („Warum ist Gott Mensch geworden?“ – Cur Deus homo), Anselms Antworten stilbildend. Mönch in Bec war er gerne, Erzbischof von Canterbury nach einigen Anlaufschwierigkeiten dann. Glaube und Vernunft gehörten für ihn zusammen. Wie auch sonst?
Prof. Dr. Peter Gemeinhardt

24.04.1909 Bernhard Klemens Maria Grzimek
Ein Leben für die Tiere – so lassen sich die Erlebnisse und Forschungen im Leben dieses Forschers   zusammenfassen. In den 1960er und 70er Jahren war der Tierarzt und Verhaltensforscher, langjährige Direktor des Frankfurter Zoos, erfolgreiche Tierfilmer, Autor und Herausgeber von Tierbüchern auch aufgrund seiner regelmäßigen Fernsehmoderationen der bekannteste und populärste Zoologe West-Deutschlands. Für den Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ erhielt er 1959 als erster Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg sogar einen Oscar. Grzimek starb am 13. März 1987 in Frankfurt am Main während einer Vorstellung des Zirkus Althoff. Seine Urne wurde nach Tansania überführt und neben seinem Sohn  Michael am Ngorongoro-Krater beigesetzt.
Dr. Steffen Storck

06.05.1859 Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt
Er teilte nicht die Abneigung seines Vorbilds Goethe gegen Mathematik, Statistik und Technik, sondern quälte sich am Orinoko mit 50 modernsten sperrigen Instrumenten. Der „Vermessung der Welt“ näherzukommen machte ihn, wie Daniel Kehlmanns Bestseller erzählt, trunken vor Enthusiasmus. Sein fünfbändiges Hauptwerk „Kosmos“ gibt eine Darstellung des Naturganzen von den astronomischen Nebel- und Sternhaufen bis zum Men­schengeschlecht, die wie ein Kunstwerk das Ziel verfolgt, in der Mannigfaltigkeit des Wahrnehmbaren die Einheit zu erkennen, den Geist der Natur zu ergreifen und den Stoff gleichsam durch Ideen zu beherrschen. Das überzeugte auch den älteren Bruder Wilhelm, der zuerst gemeint hatte: „Man kommt der Natur darum nicht näher, wenn man aus der zivilisierten Welt herausgeht.“ Das schönste Zeugnis stammt vonSimo`n Bolivár: „Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas.“
Dr. Walter Schöpsdau

22.05.1859 Sir Arthur Conan Doyle
Der im schottischen Edingburgh geborene Arzt und Schriftsteller veröffentlichte als 28jähriger die Abenteuer des Sherlock Holmes und seines Freundes Dr. Watson. Als Doyle – nunmehr in London lebend – 1893 genug von einem berühmten Helden hatte, weil er sein ganzes literarisches Schaffen überschattete, inszenierte er den Tod des Meisterdetektivs. Drei Jahre später gab er jedoch dem Druck der Öffentlichkeit nach, die weitere Kurzgeschichten des Sherlock Holmes forderten und ließ ihn- in seinem wohl berühmtesten Roman: der Hund von Baskervilles - auferstehen. Die deduktive und krimnalanalytische Methode ist bezeichnend für seine Figuren. Doyle selbst hat sich dabei selbst als Arzt die Figur des Dr. Watson zugedacht.
Dr. Steffen Storck

14.06.1929 Preußenkonkordat
Nach dem Untergang der Monarchie gab es seit 1920 Verhandlungen um einen Staatsvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und Preußen. Wesentliche Inhalte dieses Vertrages sind die Aufwertung der Bistümer Paderborn und Breslau zu Erzbistümern sowie die Gründung der Bistümer Berlin und Aachen. Die nord- und mitteldeutschen Gebiete wurde den Diözesen Osnabrück, Hildesheim,Paderborn und Fulda zugeschlagen. Neben den territorialen Veränderungen kamen u. a. die Bischofswahl durch das jeweilige Domkapitel hinzu. Das Preußenkonkordat wurde nach 1945 von den auf ehemals preußischem Territorium jeweils neugegründeten Ländern der Bundesrepublik Deutschland, nicht jedoch der von DDR anerkannt. Nach der Wiedervereinigung lebten die Konkordatsbestimmungen auch in den neuen Bundesländern in modifizierter Form wieder auf.
Martin Bräuer D.D.

31.05.1934 Theologische Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen
Am Ende der 1. Reichsbekenntnissynode (29.-31.5.1934) wurde die „Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche“ von 138 Delegierten aus 25 Landeskirchen einmütig angenommen. Tagungsort war die reformierte Gemeinde im Wuppertaler Stadtteil Barmen-Gemarke. Mit diesem wichtigsten Dokument des Kirchenkampfes grenzte sich die „Bekennende Kirche“ gegen die Häresie der „Deutschen Christen“ und vom Totalitätsanspruch des NS-Staates ab. Wesentliche Formulierungen stammten aus der Feder des schweizerischen Theologieprofessors Karl Barth, der damals in Bonn lehrte. Er wollte die Botschaft von Jesus Christus als das alleinige Zentrum der christlichen Verkündigung zurückgewinnen und empfand es später als seine Schuld, im Textentwurf die Judenfrage nicht „entscheidend geltend“ gemacht zu haben. „Barmen“ war ein Signal zur Sammlung der Kräfte des kirchlichen Widerstandes mit vielfältigen Wirkungen bis in die Gegenwart.
Dr. Walter Fleischmann-Bisten

10.07.1509 Johannes Calvin
Johannes Calvin feiert Geburtstag, seinen 500. Es gehört wohl zum Wesen des Genfer Reformators wie zu seiner Rezeption im Gesamtprotestantismus, dass viel geehrt, beachtet und gelehrt, aber irgendwie nicht richtig gefeiert zu werden scheint. Vielleicht aber bietet dieser Geburtstag den deutschen Protestanten Gelegenheit, ihr Verhältnis zu dem „welschen“ Reformator (neu) zu bestimmen. Hieß es beim zurückliegenden Melanchthon-Jubiläum: „Man kennt ihn viel zu wenig“, so müsste es (bislang) hinsichtlich Calvins heißen: „Man kennt ihn nicht!“ Vielleicht noch nicht.
Dr. Johannes Ehmann

28.07.1909 Carl Andresen
Seiner Generation stahl der Weltkrieg die produktivsten Jahre: Erst mit 40 startete Andresen seine wissenschaftliche Laufbahn, die ihn auf Lehrstühle in Marburg (1956) und Göttingen (1961-77) brachte. Für Antike und Christentum, für die Rezeption des Platonismus und für eine nachdenkliche Art, in der Kirchengeschichte nach Identität zu suchen, steht sein Name, natürlich auch für das „Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte“. Zu Unrecht fast vergessen sind seine „Kirchen der alten Christenheit“ (1971) – ein Glanzstück evangelischer Patristik von erheblicher, noch kaum erschlossener Bedeutung für die Konfessionskunde.
Prof. Dr. Peter Gemeinhardt

29.08.1009 Mainzer Dom
Dem heiligen Willigis gelang in seinem Leben viel, denn er war nicht nur ein großer Kirchenmann, sondern auch ein begnadeter Politiker. Ab 970 kam er auf Empfehlung des Bischofs von Meißen an den Hof Ottos des Großen. Dort begann eine steile Karriere, zunächst 971 als Kanzler; schon 975 war er Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des Reiches. Als Otto II. starb, salbte er 983 dessen erst dreijährigen Sohn vorsorglich schon mal zum König und übte sich als Berater der zwischenzeitlichen Regentinnen.
Als der junge König Otto III. mündig war und sein Amt angetreten hatte, durfte Willigis keinen Dank erwarten; sogar von der Königskrönung in Aachen wurde er ausgeschlossen. Das Blatt wendete sich, als Otto III. 1002 früh starb. Willigis setzte sich für Heinrich II. als Nachfolger ein und krönte ihn in Mainz; wenige Wochen später krönte er dessen Frau Kunigunde in Paderborn. Jetzt lief alles wieder wie am Schnürchen, denn Willigis hatte wieder Macht und Einfluss. Eine große Kathedrale sollte sein Lebenswerk krönen. Doch wieder wurde ihm eine Prüfung auferlegt: Die neue Kathedrale brannte am Tag ihrer Weihe fast vollständig nieder. Von diesem Schlag erholte sich Willigis nicht mehr und er starb anderthalb Jahre später.
Dr. Martin Schuck

07.09.1159 Alexander III. wird Papst
Erst achtzehn Jahre nach seiner Wahl konnte er sich als Papst durchsetzen. Bis dahin verlegte er ständig seine Residenz. Seine erste offizielle Amtshandlung war die Exkommunikation des gegen ihn gewählten Papstes Viktor IV. Diese vollzog er allerdings nicht in standesgemäßer Kleidung. Der päpstliche Mantel war ihm bei der Inthronisation entrissen worden. Mehrere Gegenpäpste erlebte Alexander, sein stärkster Gegner war jedoch Friedrich Barbarossa. Erst 1177 erkannte dieser Alexander III. als Papst an. Ein Fresco in der Sala Regia im Vatikan präsentiert die Versöhnungsszene in Venedig folgendermaßen: Der Kaiser kniet auf dem Markusplatz vor Alexander, welcher voller Stolz seinen Fuß auf des Kaisers Hals setzt. Nun war der Papst jedenfalls gestärkt. Auf dem 3. Laterankonzil 1179 konnte er sich der Durchsetzung des Zölibats und der Bekämpfung der Häresie zuwenden und durch ein neues Papstwahldekret legte er die Zweidrittelmehrheit bei der Papstwahl fest. Das verhinderte für die kommenden Jahrzehnte eine Doppelwahl.
Mario Fischer

15.09.1909 100 Jahre Berliner Erklärung
Die Anfänge der Pfingstbewegung in Los Angeles 1905 führten auch bei einflussreichen Personen der deutschen Gemeinschaftsbewegung zur Erwatung eines neuen und wahren Pfingsten. Nach kontroversen Einschätzungen charismatischer Gottesdienste in Kassel (1907) entbrannte eine innerevangelikale Diskussion, die relativ unerwartet in einer summarischen Verurteilung der „sogenannten Pfingstbewegung“ durch führende Männer der Evangelischen Allianz und es Gnadauer Verbandes führte. In der „Berliner Erklärung“ vom 15.9.1909 stand, dass die Pfingstbewegung „nicht von oben, sondern von unten“ sei und Dämonen am Werk wären, die „Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen“. Die vom „falschem Geist“ bewirkten Erscheinungen un die „Lehre vom reinen Herzen“ wurden als unbiblisch zurückgewiesen. Dieser Verurteilung aller geistlichen und charismatischen Aufbrüche hatte schwere ökumensiche Folgen und kann erst allmählich durch die Revision der „Kasseler Erklärung“ von 1996 abgebaut werden.
Dr. Walter Fleischmann-Bisten

31.10.1999 Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre
Die römisch-katholische Kirche und die evangelischen Kirchen haben erstmals seit der Reformation offiziell und feierlich erklärt, dass sie bei der entscheidenden Frage, wie der Mensch vor Gott gerecht wird, denselben Glauben bekennen: Gott nimmt uns aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus an. Das ist ein Grundkonsens, der alle konfessionellen Streitfragen überragt. Denn mehr als in den Himmel kommen, gibt es nicht.
Zum ökumenischen Frieden steht freilich noch eine Einigung darüber aus, was wir von der Kirche und ihrer Autorität, von den Amtsträgern und von den Sakramenten glauben. Ohne gegenseitige Anerkennung als „Kirche im eigentlichen Sinn“ und ohne Abendmahlsgemeinschaft ist die Ökumene noch nicht am Ziel.
Professor Dr. Reinhard Frieling, langjähriger Leiter des Konfessionskundlichen Instituts, reifri(at)unitybox.de

09.11.1989 Fall der Berliner Mauer
Die Mauer kennzeichnete die DDR als weltanschauliche Diktatur. In ihren Grenzen drehte sich die Staatsideologie nur um die eigenen Versprechen und schottete sich von fremden Einflüssen ab. Die evangelischen Kirchen waren der Freiraum. Ihre Sozialisationsformen, religiösen Hoffnungsbilder, sozialethischen Impulse und kritischen Gruppen bildeten das Ferment der Veränderung. Es entfaltete seine gewaltfreie Sprengkraft, als 1989 Flüchtlingsströme das Weite suchten und eine unaufhaltsame Destabilisierung erzeugten. Die einen wollten resigniert gehen, die anderen engagiert bleiben – das brachte quasi im Nebeneffekt die Mauer zum Fallen. Am 9.11.1989 erklärte der SED-Funktionär Günter Schabowski versehentlich: „Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen … sofort, unverzüglich.“ Tausende Berliner erzwangen moralisch den freien Durchgang. Das Land zog nach.
Pfarrer Dr. Aribert Rothe, Hochschulpfarrer in Erfurt, Vorsitzender Evangelische Konferenz für konfessionskundliche Arbeit in Sachsen-Anhalt und Thüringen / Evangelischer Bund; AribertRothe(at)gmx.de

10.11.1759 Friedrich (von) Schiller
Nein, man kann ich nicht trinken. Entgegen anders lautender Vorurteile geht der württembergische (auch sächsische und schweizerische) Rotling nicht auf den großen deutschen Dichter zurück, obwohl sein Geburtsort in Marbach am Neckar das nahe legen würde.
Schillernd wie der Wein ist das Werk des mit Goethe, Herder und Wieland als Inbegriff der Weimarer Klassik geltenden, 1802 geadelten Dramatikers. 1782 floh der mit Hölderlin, Schelling, Uhland und Mörike verwandte Württemberger vor der staatlichen Verfolgung seines vom Publikum umjubelten Dramas „Die Räuber“ ins Badische. 1787 kam er nach Weimar, akademisch arbeitete er allerdings – in guter Gesellschaft – als Professor für Geschichte in Jena. 1805 starb der Mann, dessen Ruf als Rebell ihm die Ehrenbürgerschaft der Franzöischen Republik eintrug. Der Kopf dieses großen deutschen Kopfes ist nach wie vor verschollen – der Entleiher desselbigen ruht indes an der Seite des leeren Schiller’schen Sarges in der Weimarer Fürstengruft.
Alexander F. Gemeinhardt

29.11.1959 Brot für die Welt
Von wegen „Advent ist im Dezember“ – bereits im November, nämlich am ersten Advent 1959, begann mit „Brot für die Welt“ eine Erfolgsgeschichte entwicklungspolitischer Arbeit der evangelischen Landes- und Freikirchen. In die „Hungerhand“ des Berliner Künstlers Rudi Wagner wanderten mit dem Aufruf „Wenn Du wieder satt geworden bist, gib 5 Pfennig für die Hungernden“ unfassbare 19 Millionen Mark, davon 4,8 Millionen aus der DDR, für die Bekämpfung der akuten Hungersnot in Indien. „Wir haben einen guten Anfang gemacht“, kommentierte der EKD-Ratsvorsitzende Bischof D. Dr. Otto Dibelius trocken.
Fast 53 Millionen EUR erwirtschafteten die über 100 dem Diakonischen Werk der EKD angeschlossenen „Brot“-Mitarbeitenden 2007. Bis 2013 wird „Brot“ mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst zusammengelegt werden und von Stuttgart nach Berlin umziehen. Da ist dann Advent auch wieder im Dezember. Gerade so…
Alexander F. Gemeinhardt

02.12.1409 Alma mater lipsiensis
Fast 27.000 Studierende sind an der zweitältesten deutschen Universität (mit ununterbrochenem Lehrbetrieb) im aktuellen Semester eingeschrieben. Nobelpreisträger wie Peter Debye, Werner Heisenberg, Gustav Hertz, Theodor Mommsen, Nathan Söderblom und Wilhelm Ostwald lehrten hier ebenso wie Gotthold Ephraim Lessing oder Wilhelm Wundt. Von Johann Wolfgang von Goethe bis Erich Kästner, von Thomas Müntzer bis Angela Merkel und von Richard Wagner bis Friedrich Nietzsche reicht die Liste der Studierenden. Die Theologische Fakultät ist ebenso wie das Religionswissenschaftliche Institut (seit 1912) nicht aus dem theologischen akademischen Betrieb wegzudenken. Am 9. Mai beginnen die Feierlichkeiten, am 7. Juni werden Vertreter der Universität Prag in Leipzig erwartet. Im Gegensatz zu ihren Vorbildern vor sechs Jahrhunderten, die mit dem Auszug aus der Karlsuniversität den Grundstein der Alma mater lipsiensis legten, ziehen sie ohne Zwist ihres Weges. Aktuell ist die Leipziger Uni wie eh und je – im Februar wird ein „Institut für Unternehmenssanierung und Insolvenzrecht“ eingeweiht. Ad multos annos.
Alexander F. Gemeinhardt

14.12.1959 Kardinalskreierung Augustin Bea S.J.
Augustin Bea wurde am 28.05.1881 bei Donaueschingen geboren. Nach dem Abitur trat er in den Jesuitenorden und wurde1921 erster Provinzial der oberdeutschen Provinz. Seit 1924 wirkte der anerkannte Exeget in Rom als Professor am Biblicum, als Berater kurialer Institutionen sowie seit 1945 als Beichtvater Pius XII.. Johannes XXIII. kreierte ihn zum Kardinal und ernannte ihn 1960 zum Präsidenten des Sekretariates „ für die Förderung der Einheit der Christen“. Als solcher entfaltete er eine rege Reisetätigkeit.  Als Konzilsteilnehmer war Bea an  der Entstehung der  Konzilsdokumente „Nostra Aetate“, „Unitatis redintegratio“ sowie der Erklärung über die Religionsfreiheit maßgeblich beteiligt. Bea starb am 16.11.1968.
Martin Bräuer D.D.

19.12.1909 Borussia Dortmund
Als gebürtiger Dortmunder, der seit 40 Jahren in Hessen lebt, habe ich stets ein Gefühl der Befriedigung oder Enttäuschung, wenn „meine Borussia“ am Wochenende ihr Fussballspiel gewonnen oder verloren hat. Was geht da emotional und rational in mir vor? Heimatgefühl durch fussballerische Identifikation mit einem Verein, dessen Mannschaft ich vielleicht zehnmal im Leben persönlich habe spielen gesehen?
Was geht in mir vor, wenn ich als evangelischer Ökumeniker mich in „meiner Kirche“ wohler fühle als in der römisch-katholischen oder orthodoxen Kirche? Ich kenne natürlich theologische Gründe, aber auch meine vortheologischen familiären und religiösen Prägungen. Freilich: Borussia Dortmund „spielt“ mit dem Gegner, sogar mit dem Rivalen Schalke. Katholiken und Orthodoxe „ehre“ ich als meine Schwestern und Brüder.
Prof. Dr. Reinhard Frieling

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V.i.S.d.P. Alexander F. Gemeinhardt M.A.
Referent für Öffentlichkeitsarbeit / Redaktion Newsletter

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